Finanzaffäre um Reiner Calmund weitet sich aus

  • 19.03.2006


    Bayer Leverkusen hat bereits im Jahr 2004 interne Ermittlungen über die Finanzbeziehungen des ehemaligen Club-Managers Reiner Calmund angestellt.


    Der Verein bestätigte einen entsprechenden Bericht der Süddeutschen Zeitung. Demnach hatte der Verein einen Anwalt in die USA beordert, um Geschäftspraktiken von Calmund in Amerika auszukundschaften. "Es stimmt, wir haben einen Anwalt in die USA geschickt. Dafür gab es gute Gründe", sagte Wolfgang Holzhäuser.


    Der Bayer-Geschäftsführer bestätigte auch, dass der Jurist über seine in Florida gewonnenen Erkenntnisse ein Memorandum verfasst habe. Dieses habe Bayer 04 bereits der ermittelnden Staatsanwaltschaft Köln übergeben. Wegen der laufenden Ermittlungen könne er aber keine konkreten Angaben zu dem Vorgang machen, sagte Holzhäuser.


    Bereits zuvor hatte sich die seit Tagen anhaltende Auseinandersetzung zwischen Club und Calmund verschärft. Vor dem Spiel gegen Mainz (1:2) meldete sich die Bayer AG mit Schärfe zu Wort und verwahrte sich gegen die angebliche Medienkampagne des 57-Jährigen gegen den Club.


    "Die derzeit gestreuten Vermutungen, Verdächtigungen und Unterstellungen schaden sowohl dem Fußball im Allgemeinen als auch den Verantwortlichen von Bayer und nicht zuletzt Reiner Calmund selbst", hieß es in der Mitteilung des Unternehmens. "Wenn man diese Reaktionen sieht, muss man einen Haltepunkt setzen", begründete der Bayer-Sportbeauftragte Meinolf Sprink das Vorgehen.


    Die Bayer AG betonte, dass der Konzern seine Fußballtochter unterstütze, sich nicht an der von Dritten initiierten Schlammschlacht zu beteiligen. "Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser genießt das volle Vertrauen des Konzerns", hieß es. Die öffentlichen Erklärungen von Calmund hätten deutlich gemacht, dass der Ex-Manager mit Angriffen auf Holzhäuser von den eigentlichen Sachverhalten ablenken wolle, anstatt nachprüfbare Fakten über den Verbleib und die Verwendung der 580.000 Euro Barentnahmen vorzulegen: "Verein und Konzern verurteilen diese Vorgehensweise von Reiner Calmund", hieß es weiter.


    Wegen der Zahlung dieses Geldes an den Spielervermittler Volker Graul ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln wegen des Verdachts der Untreue gegen Calmund. Die Bayer AG hatte auch die Bargeld-Transaktion zum Anlass genommen, um sich im Sommer 2004 von ihm zu trennen.


    Mit Verwunderung reagierte Calmund-Rechtsanwalt Stefan Seitz auf die Bayer-Stellungnahme. "Wir haben Bayer sofort nach Erhalt des Fragenkatalogs des 'Spiegel' schriftlich angeboten, den Sachverhalt gemeinsam schnellstmöglich und umfassend zu ermitteln und aufzuklären", sagte Seitz.


    Bayer habe dies kategorisch abgelehnt. "Von einer Kampagne von Reiner Calmund kann daher keine Rede sein", so Seitz. Vielmehr habe der Club durch eine Pressemitteilung und - konferenz zu dem Fall anlässlich des Heimspiels gegen Werder Bremen am 4. März selbst die öffentliche Diskussion aktiv entfacht. Außerdem habe nicht Calmund, sondern Bayer-Ehrenmitglied Gerrit Niehaus auf konkrete Missstände im Verein hingewiesen.


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