Klinsmann lässt Nowotny im Ungewissen

  • VON KLAUS BERGMANN, 25.04.06, 16:51h



    Düsseldorf - Jürgen Klinsmann hat Jens Nowotny eine erfolgreiche Teilnahme am Fitnesstest der Fußball-Nationalmannschaft bescheinigt, aber dem Abwehr-Routinier beim Abschied aus Düsseldorf kein WM-Ticket versprochen.
    Den Gewinner des aktuellen Dreikampfes um den vierten und letzten Platz in der deutschen Innenverteidigung zwischen dem 32-jährigen Leverkusener, dem Mainzer Manuel Friedrich und Zukunftshoffnung Lukas Sinkiewicz vom 1. FC Köln wird der Bundestrainer vermutlich erst bei der Nominierung seines 23-köpfigen Kaders für die Fußball-Weltmeisterschaft am 14. oder 15 Mai in Berlin verkünden. «Wir müssen uns das reiflich überlegen», sagte Klinsmann nach Abschluss des zweitägigen Fitnesstests.


    «Jens hat einen sehr guten Eindruck gemacht. Er war natürlich hochmotiviert», berichtete der Bundestrainer über Nowotny, der zuletzt bei der Europameisterschaft 2004 für Deutschland spielte. Nowotny hofft, dass er die nach vier Kreuzbandrissen im rechten Knie durchaus berechtigten Zweifel an seiner körperlichen Belastbarkeit ausräumen konnte. «Das Knie hält», teilte er nach dem Ende der Ausdauer-, Sprint- und Krafttests mit. Mit Klinsmann habe er zudem in Düsseldorf ein längeres Gespräch «über Gott und die Welt» geführt. Der Bundestrainer berichtete, dass bei den 17 Teilnehmern an der Testserie «alles im Lot» gewesen sei. «Allerdings müssen wir noch die Laktatwerte abwarten.»


    Die Fitness wird auch zum Schwerpunkt in der WM-Vorbereitung, die am 16. Mai auf Sardinien beginnt. In den fünf Tagen auf der Mittelmeerinsel werden die meisten Spieler auch von dem Angebot der sportlichen Leitung Gebrauch machen, ihre Frauen und Kinder mitzunehmen. «Die Tendenz war, dass die Spieler gerne die Familien dabei haben möchten», berichtete Teammanager Oliver Bierhoff. Trainer und Betreuer müssen allerdings auf den privaten Anhang verzichten.


    Erholung wird nicht für alle Spieler im Vordergrund des fünftägigen Aufenthaltes in Italien stehen. «Für einen wie Robert Huth, der wenig im Verein gespielt hat, wird es das Wort Regeneration nicht geben», kündigte Assistenztrainer Joachim Löw an. Unterbelastete Akteure wie der beim FC Chelsea selten eingesetzte England-Legionär müssen schon dort hart trainieren, denn Klinsmann will die deutschen Fußballer bis zum WM-Eröffnungsspiel am 9. Juni zumindest schon zu Fitness-Weltmeistern machen. «Wir sind sehr optimistisch, dass wir die Mannschaft in einen sehr guten körperlichen Zustand bekommen werden, weil wir dreieinhalb Wochen Zeit bis zur Partie in München gegen Costa Rica haben», sagte der Bundestrainer.


    Insbesondere das neuntägige Trainingslager in Genf (21. bis 30. Mai) wird kein Zuckerschlecken für die Mannen um Kapitän Michael Ballack. «Da wird heftig gearbeitet. Da werden die Jungs abends keine Lust mehr haben, in die Stadt zu gehen», kündigte Klinsmann an. Denn mit den typisch deutschen Tugenden soll die stark verjüngte und unerfahrene deutsche Mannschaft ihre fußballerischen Defizite ausgleichen können und auf die von Klinsmann erwarteten «Abnützungskämpfe» in den WM-Partien vorbereitet werden: «Eine WM ist eine andere Kragenweite als die Bundesliga. Wir haben gegenüber den anderen großen Ligen an Boden verloren. Wir müssen im konditionellen Bereich wieder viel mehr arbeiten. Das werden wir tun.»


    Den vor dem USA-Länderspiel abgesagten Fitnesstest nachzuholen, sei darum auch sehr wichtig gewesen, betonte Klinsmann, auch wenn in Düsseldorf nur 17 Akteure teilnehmen konnten. Die Begründung lieferte Mannschaftsarzt Tim Meyer: «Das Aktuellste, was wir ohne den jetzigen Test an objektiven Daten zur Verfügung hätten, wäre von Oktober 2005 gewesen. Mit diesen Daten könnten wir nicht mehr ohne gewisse Einschränkungen arbeiten.»


    Der Internist ist überzeugt, dass Klinsmanns WM-Mission zumindest nicht an der körperlichen Leistungsfähigkeit der DFB-Elf scheitern wird. «Ich erwarte, dass unsere Spieler mit einer angemessenen Fitness in das Turnier gehen werden», sagte er. Der Arzt von der Uni Saarbrücken, der schon bei der WM 2002 in Japan und Südkorea dabei war, zerstreute Befürchtungen, dass die deutschen Spieler am Saisonende körperlich ausgelaugt sein könnten. «Ich möchte nicht behaupten, dass wir im Moment aus medizinischer Sicht eine Überbelastung der Spieler befürchten müssen», sagte Meyer. (dpa)