Nach zehn Jahren ist Schluss für Jens Nowotny bei Bayer 04 Leverkusen: Der Abwehrchef wird die Rheinländer zum Saisonende verlassen.
"Ich habe mich dazu entschieden, im sportlichen Bereich noch einmal eine neue Aufgabe zu suchen", erklärte Nowotny, der vor zehn Jahren vom Karlsruher SC an den Rhein kam. "Das Angebot von Bayer 04, zwei weitere Jahre in Leverkusen zu spielen, war überaus fair."
Bayer-Sportdirektor Rudi Völler meinte zum Abschied des Routiniers: "Sportlich und menschlich bedeutet der Weggang einen Verlust. Ich finde es schade, aber es ist zu respektieren." Wohin Nowotnys Weg führt, ist noch offen. "Ich könnte mir vorstellen, dass ihn auch ein Wechsel ins Ausland reizen würde", sagte Völler. Bayer muss dem scheidenden Profi nun eine Abfindung in Höhe von rund 4,7 Millionen Euro zahlen, die ihm vertraglich zugesichert wurde.
Die Zusammenarbeit zwischen Nowotny und Bayer war im vorigen Jahr durch zwei juristische Auseinandersetzungen stark belastet. Der Profi wollte nach seinem vierten Kreuzbandriss erst eine Lohnfortzahlung über die gesetzliche Frist von sechs Wochen einklagen. Dann strengte seine Beraterfirma einen Rechtstreit über die Versteuerung eines mit Bayer 04 bei der Vertragsverlängerung 2002 vereinbarten Handgeldes von rund zehn Millionen Euro an. Die Vereinsführung suspendierte den 45-maligen Nationalspieler daraufhin vom Spielbetrieb.
Erst in der aktuellen Rückrunde war Nowotny wieder in der Stammformation zum Einsatz gekommen. "Es hat sich gelohnt, dass er nach all dem Wirbel wieder für uns gespielt hat. Mit ihm sind wir in der Bundesliga nun Tabellensechster und beste Rückrunden-Mannschaft", sagte Völler, der sich nun nach Alternativen umschauen muss. Dass der deutsche U 21-Nationalspieler Peter Niemeyer, der beim niederländischen Erstligisten Twente Enschede spielt, ein Kandidat sein könnte, wollte er nicht bestätigen: "Über Namen rede ich nicht."
In den verbleibenden drei Bundesliga-Partien will der wieder erstarkte Abwehrchef alles geben und Bayer ins internationale Geschäft führen: "Ich werde in den letzten Spielen für Bayer meine Kräfte bündeln, damit wir den Uefa-Cup erreichen." Durch seine guten Leistungen ist Nowotny auch wieder ein Kandidat für Bundestrainer Jürgen Klinsmann geworden. Nach der Teilnahme am Leistungstest der deutschen Nationalspieler Anfang der Woche in Düsseldorf darf der Routinier sich Hoffnung auf eine Nominierung für die Weltmeisterschaft in Deutschland machen. Nowotny war zuletzt bei der Europameisterschaft 2004 in Portugal für die DFB-Auswahl im Einsatz.