Ermittlungen gegen Calmund vor dem Ende

  • ERSTELLT 30.04.06, 21:44h


    Nach jetzigem Stand ist kein „Vermögensschaden“ entstanden, aber es gab „mit hohem Risiko behaftetes Handeln“ zu Lasten von Calmunds Arbeitgeber.


    VON DETLEF SCHMALENBERG


    Köln - Die Ermittlungen gegen Reiner Calmund wegen des Verdachts der Untreue werden voraussichtlich noch vor Beginn der Weltmeisterschaft beendet sein. Dies erfuhr der „Kölner Stadt-Anzeiger“ aus Justizkreisen. Die Angaben des Ex-Managers von Bayer 04 Leverkusen bei seiner Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft Köln werden von den Ermittlern „im Wesentlichen“ für glaubhaft gehalten.


    Wie die Aussage des Ex-Managers strafrechtlich zu bewerten ist, steht jedoch noch nicht fest. Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen soll Calmund keine Untreue begangen haben, da kein „Vermögensschaden“ entstanden sei. Er habe aber einen möglichen finanziellen Nachteil seines ehemaligen Arbeitgebers womöglich billigend in Kauf genommen, hieß es. Denkbar, aber noch nicht entschieden, ist unter anderem eine Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldbuße. Sollte Calmund ein derartiges Angebot der Staatsanwaltschaft akzeptieren, könnte er einen Prozess vermeiden.


    In der vergangenen Woche ist bekannt geworden, dass sich Bayer im Mai 2004 wegen ungeklärter Zahlungen in Höhe von 11,85 Millionen Dollar beim Finanzamt selbst angezeigt hat. Zudem tauchte die Steuerfahndung bei Calmund und Bayer-Verantwortlichen wegen des 1998 vollzogenen Transfers des Kroaten Zoran Mamic von Bochum nach Leverkusen auf. Beide Vorgänge haben allerdings, wie zu erfahren war, nach bisherigem Erkenntnisstand keinen Einfluss auf die Untreue-Ermittlungen gegen Calmund.


    Diese Ermittlungen waren Anfang März eingeleitet worden. Der Ex-Manager soll dafür verantwortlich sein, dass es für 580 000 Euro, die Bayer 04 im Juni 2003 für die Kaufoptionen auf vier osteuropäische und einen türkischen Spieler bezahlt haben soll, keine ausreichenden Belege gibt. Calmund hatte das Geld dem Bielefelder Spielervermittler Volker Graul übergeben, der es einem kroatischen Spielerberater ausgehändigt haben will.


    Einem Vermerk zufolge, den der Fußballklub der Staatsanwaltschaft übersandt hat, hat Calmund um die Jahreswende 2004 drei Anfragen der Bayer-Buchhaltung über die Verwendung des Geldes nicht beantwortet. Zudem habe Spielerberater Graul erst im April 2004 - zehn Monate, nachdem er die Summe erhalten hatte - eine Rechnung für die Spieleroptionen eingereicht, die vom damaligen Finanz-Manager Wolfgang Holzhäuser allerdings nicht akzeptiert wurden. Graul soll daraufhin angeboten haben, von einer „ihn begleitenden Sportagentur“ eine „offizielle“ Rechnung zu besorgen - allerdings mit einem Aufschlag von 20 Prozent. Wie zu erfahren war, hat Holzhäuser auch diesen Vorschlag brüsk abgelehnt und betont, er wolle den Vorgang sicherheitshalber als „nicht abzugsfähige Betriebsausgabe“ verbuchen.


    Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ legte Calmund im März 2006 in seiner Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft Papiere vor, die beweisen sollen, dass Graul tatsächlich die Verkaufsvollmachten für zwei Spieler besaß. Dass der Bielefelder in dieser Angelegenheit tätig war, könne zudem „die gesamte sportliche Führung“ seines Ex-Klubs bestätigen, sagte Calmund. Er habe Holzhäuser im Sommer 2003 nicht über die Optionen informiert, da der Manager-Kollege krank gewesen sei. Über den Auftrag an Graul und die 580 000 Euro, die er in bar übergab, habe er zudem gemäß Geschäftsordnung alleine entscheiden dürfen.


    Bei den Vernehmungen zahlreicher weiterer Zeugen gewann die Staatsanwaltschaft in den vergangenen Wochen den Eindruck, dass Calmund „im Großen und Ganzen“ wohl die Wahrheit gesagt hat. Davon unberührt bleibt die Tatsache, dass er für das an Graul übergebene Geld keine Belege verlangt hat. Und dies, obwohl der kroatische Spielervermittler, dem Graul die 580 000 Euro schließlich ausgehändigt haben soll, offenkundig aus einem dubiosen Umfeld stammt. In seiner Vernehmung am 27. März jedenfalls wollte Calmund den Namen des Kroaten nicht nennen. Graul solle dies selbst zu tun. Denn der Bielefelder fühle sich „persönlich gefährdet“, wenn der Name des ominösen Vermittlers bekannt würde. Calmunds Kommentar: „Im Balkan herrschen andere Gesetze.“


    (KStA)