03.05.2006 12:31 Uhr
Berlin (dpa) - Zwei Spieltage vor dem Saison-Halali ist das Rennen um die UEFA-Cup-Plätze praktisch entschieden, nur Erfolgstrainer Michael Skibbe will noch nichts davon wissen.
«Es wäre fatal und total verkehrt zu denken, dass wir schon durch sind», warnte der einstige Assistent von DFB-Teamchef Rudi Völler. Dabei hatte Skibbes Bayer Leverkusen, mit 31 Punkten in der Bundesliga-Rückrunde die beste Frühjahrs-Mannschaft, gerade im «Endspiel» um den internationalen Startplatz Hertha BSC in Berlin mit 5:1 vom Platz gefegt. «Ich glaube fest daran, das Team ist gefestigt», zeigte sich Bayer-Kapitän Carsten Ramelow weitaus selbstsicherer als sein Chef.
Vielleicht lag es am wenig überzeugenden Abwehr-Verhalten der Leverkusener, dass Skibbe dem Europapokal-Frieden noch immer nicht traut. Die Gäste gestatteten im Gefühl eines sicheren 3:0-Vorsprungs den Herthanern vor 51 324 Fans im WM-Endspielstadion gleich ein halbes Dutzend bester Torchancen, die diese aber nur zu einem Tor von Marcelinho (41.) nutzten. «Ich kann nur hoffen, dass unser Glück jetzt nicht aufgebraucht ist», sagte Skibbe, der erleben musste, wie seine Defensiv-Abteilung mit dem wenig überzeugenden WM-Kandidaten Jens Nowotny von einer Verlegenheit in die andere stürzte.
Nur gut für Bayer, dass Brasiliens Juan und Torhüter Jörg Butt einen Glanztag erwischten und die Abteilung Attacke mit dem nunmehr 18-maligen Saison-Torjäger Dimitar Berbatow wie geschmiert funktionierte. «Wir haben mittlerweile auch eine bessere Qualität bei den Standard-Situationen», analysierte Coach Skibbe. Zwei der drei ersten Tore durch Juan (5.) und Berbatow (27., 28.) fielen nach Ecken. Ramelow (63.) und Bernd Schneider (76.) legten zum höchsten Auswärtssieg der Leverkusener in der laufenden Spielzeit nach.
Für die taktisch naiv operierende Hertha bleibt nach der kräftigen Pleite, die eine Serie von sieben Spielen ohne Niederlage beendete, nur der Griff nach der ungeliebten Kröte namens UI-Cup. «Ich hoffe auf Platz sechs. Durch den einfacheren Modus kann man sich auch dann für den UEFA-Pokal qualifizieren», erklärte Berlins Chefcoach Falko Götz angesichts von fünf Punkten Rückstand auf Rang fünf. Der einzige deutsche Starter im UI-Cup müsste in nur einer Runde einen Vertreter aus Russland, Weißrussland oder Kasachstan aus dem Weg räumen, um in die UEFA-Cup-Qualifikation zu kommen.
Die Berliner versuchten den Schock der höchsten Saison-Niederlage ausgerechnet im wichtigsten Spiel zu verdrängen. «Abhaken», gab Götz das Motto aus, «vor dem Spiel gegen den Hamburger SV am Samstag müssen wir die Spieler im Kopf aufbauen.» Alle Verantwortlichen stellten deshalb auch den Kampfeswillen und die durchaus sehenswerten Aufhol-Versuche gegen Bayer in den Vordergrund. «So etwas Verrücktes habe ich noch nicht gesehen», meinte Hoeneß und sprach kurioserweise sogar von der «besten Saisonleistung».
Die Fehlleistungen vor den fünf Gegentoren zeigten jedoch deutlich, dass ohne solch erfahrenen Leute wie Josip Simunic, Dick van Burik und Yildiray Bastürk (alle verletzt) Hertha Ordnung und Cleverness fehlen - ein Alarmsignal für die kommende Saison. Mit Simunic und Niko Kovac verlassen zwei gestandene Profis jener Generation den Club, ohne die eine ansonsten junge Mannschaft nicht funktioniert. «Wir werden für Simunic adäquaten Ersatz holen», versprach Hoeneß. Für diese Saison allerdings nutzt das nichts mehr.
(dpa)