Holzhäuser Interview BayArena Magazin Teil 2

  • 2006.05.04


    "Konsolidierungsprozess ist noch nicht abgeschlossen"

    Im 2. Teil des Interviews spricht Bayers Geschäftsführer über Finanzen und die sportliche Zukunft.


    BayArena Magazin: Man hat den Eindruck, als drehe sich bei Bayer 04 alles nur noch um die Finanzen und der Fußball sei Nebensache. Wie steht’s denn nun mit den Finanzen?
    WOLFGANG HOLZHÄUSER: Erst gesunde finanzielle Voraussetzungen schaffen die Grundlage für sportlichen Erfolg. Aber der ist eben Vereins- und Unternehmenszweck. Deshalb dreht sich eben fast alles auch – und ich betone auch – ums Geld.


    Mein Auftrag, den ich 2004 von der Bayer AG erhalten habe, war, Bayer 04 innerhalb eines dann noch Vier-Jahres-Planes auf eigenständige Füße zu stellen und von zusätzlichen Stützungsmaßnahmen der Muttergesellschaft über die bekannten 25 Mio Euro für das Bayerkreuz im Wappen bzw. den Firmennamen hinaus unabhängiger zu machen. Mit dieser Aufgabe sind wir zwar über den Berg, aber der Konsolidierungsprozess ist noch nicht abgeschlossen. Vor allem gilt es, die durch die Sanierungsmaßnahmen notwendige Zwischenfinanzierung bei der Bayer AG abzubauen. Allerdings so abzubauen, dass wir nicht allzu viel an sportlicher Substanz verlieren.


    Bis jetzt ist es uns gelungen, die Nettoverschuldung der Bayer 04-Gruppe von 68 Mio Euro auf 15 Mio Euro im 1. Quartal 2006 zu senken. Der Anteil des Aufwandes für das Funktionsteam, also Spieler, Trainer etc. wurde in den letzten Jahren fast halbiert; er liegt nun unter 50 % des Gesamtaufwandes. Damit sind wir in der Bundesliga gut platziert.


    Es ist uns auch gelungen, vor allem mit den „teuren“ Spielern, deren hohe Verträge noch aus den erfolgreichen Champions-League-Zeiten stammen, diese Verträge in gegenseitigem Einvernehmen so zu gestalten, dass sie für uns noch tragbar und für den Spieler akzeptabel sind. Das Stichwort hier heißt: leistungsbezogen.


    BayArena Magazin:Wie sieht denn nun die sportliche Zukunft unter den vorhandenen finanziellen Möglichkeiten aus?
    WOLFGANG HOLZHÄUSER: Zunächst einmal gilt der unumstößliche Grundsatz: Die sportliche Leistungsstärke ist die Basis der Geschäftspolitik. Diese Leistungsstärke steht immer im Vordergrund. Will man erfolgreich sein, muss man die Voraussetzungen – auch die finanziellen – für Leistungsstärke schaffen. Erfolg aber ist das, was die Fans erwarten und was den Sponsoren, vor allem der Muttergesellschaft Bayer AG nützt. Eine „Fahrstuhl-Mentalität“ wie beim SC Freiburg würde bei uns die Sponsoren abschrecken und auch das Interesse der „Mutter“ sicher erheblich schmälern.
    Da wir aber nicht mehr so aus dem Vollen schöpfen können und wollen, müssen wir uns intelligente Lösungen einfallen lassen. Und ich greife sicher unserem für den sportlichen Bereich zuständigen Sportchef Rudi Völler nicht vor, wenn ich sage, dass wir dies durch gezielten Einsatz hochklassiger, erfahrener und höchsttalentierter junger Spieler erreichen. Die momentane Situation macht dies deutlich. Beispiele wie Castro, Barnetta, Rolfes oder auch der neu verpflichtete Kießling – alle zwischen 18 und 24 Jahre jung – sind beste Beweise dafür. Deshalb läuft unser Scout-System unter der Leitung von Michael Reschke auch ständig auf Hochtouren. Dafür halten wir unsere Datenbank international auf dem neuesten Stand. Und dafür werden wir natürlich auch Geld ausgeben.


    BayArena Magazin: Können Sie unter solchen Bedingungen beispielsweise einen Spieler wie Dimitar Berbatov halten?
    WOLFGANG HOLZHÄUSER: Dimitar hat zwar einen Vertrag, der noch zwei Jahre läuft. Rudi Völler, Michael Skibbe und auch ich wünschen uns, dass er mindestens noch ein Jahr bei uns bleibt. Aber das wird schwer, denn eine Klausel in seinem Vertrag legt fest, dass er gehen kann, wenn ein Verein mindestens 16 Millionen Euro Ablöse bietet und er auch weg möchte.


    BayArena Magazin: Aber dieses Geld könnte dann doch wieder für einen neuen Star investiert werden?
    WOLFGANG HOLZHÄUSER: Ja und nein. Da wir zum Schuldenabbau die Transfer-Verpflichtungen und -Erlöse an eine Gesellschaft abgetreten haben, erhält diese einen Teil der Summe. Den anderen Teil werden wir natürlich für Verstärkungen wieder investieren.


    http://www.bayer04.de