Holzhäuser Interview BayArena Magazin Teil 1

  • 2006.05.04


    "Die sportliche Leistungsstärke ist die Basis"


    Keine Frage: In dem Unterhaltungssektor Fußball-Bundesliga hat Bayer 04 diesmal eine übergroße Rolle gespielt. Prozesse, Ermittlungen, ein sportliches Ab und Auf mit vermutlich gutem Ende. Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser beantwortet im BayArena Magazin die wichtigsten und kritischsten Fragen zur Saison.


    BayArena Magazin: Sportlicher Erfolg auf der einen, immer neue unerfreuliche Schlagzeilen und auch Vorwürfe gegen Sie persönlich auf der anderen
    Seite: Herr Holzhäuser, wie fühlen Sie sich?
    WOLFGANG HOLZHÄUSER: Gut und schlecht. Gerade so wie die Situation ist. Gut, sehr gut sogar, weil wir sportlich auf dem richtigen Weg sind. Das zeigt, dass wir – Rudi Völler und ich – trotz der finanziellen Sanierung und mit weniger Geld doch wohl einiges richtig gemacht haben. Nicht zuletzt erweist sich jetzt die damals wenig spektakuläre Verpflichtung von Michael Skibbe als richtig. Schlecht, sogar sehr schlecht fühle ich mich, wenn ich die Dinge betrachte, die sich außerhalb des Sportbetriebes zugetragen haben und zutragen.


    Rufe wie „Holzhäuser raus“, auch dann, wenn wir sportlichen Erfolg und die Fans eigentlich allen Grund zur Zufriedenheit haben, das belastet sehr. Es tut schon weh, wenn man Gutes will und dann für notwendige aber Zukunft sichernde Maßnahmen „bestraft“ wird. Trotzdem suche ich immer wieder den Kontakt zu den Fans und führe ständig Gespräche mit den Fan- Beauftragten und Fan-Vertretern wie beispielsweise Marc Kolmsee, Lothar Becker, Andreas Paffrath sowie Stefan Thomé und anderen Vertretern der Fanszene.


    BayArena Magazin: Wenn das alles so ungerechtfertigt ist, warum setzen Sie sich dann freiwillig diesem Druck und den Anfeindungen aus?
    WOLFGANG HOLZHÄUSER: Zunächst einmal bin ich – bei aller persönlichen Sensibilität, die ich habe – nicht der Typ, der aufgibt, sobald ihm der Wind auch einmal ins Gesicht bläst. Darüber hinaus bin ich zutiefst davon überzeugt, dass gerade in Leverkusen, gerade mit dem Unternehmen Bayer und Sponsoren wie RWE und adidas im Rücken, nationaler Spitzenfußball gespielt werden kann, der auch international erfolgreich sein kann. Das will ich nicht zuletzt für die Fans erreichen, die sicher bald Verständnis dafür haben werden, dass wir mit weniger Mitteln auskommen müssen, aber trotzdem erfolgreich sein können. Für diese Zukunftsgestaltung lohnt es sich zu kämpfen.


    BayArena Magazin: Man wirft Ihnen vor, „Drahtzieher“ im „Fall Calmund“ zu sein. Deshalb der Unmut.
    WOLFGANG HOLZHÄUSER: Insbesondere die Diskussionen um Reiner Calmund und die Berichterstattung in einigen Medien, die mich als „Drahtzieher“ darzustellen versuchen, belasten mich sehr. Deshalb nochmal in aller Deutlichkeit: Weder die Bayer AG, noch Bayer 04 und erst recht ich hatten und haben ein Interesse daran, den Ruf von Reiner Calmund durch Verdächtigungen zu beschädigen.


    Es macht doch auch überhaupt keinen Sinn, Reiner Calmund nach der Trennung wegen seiner Verdienste mit einer entsprechenden finanziellen Absicherung zu versehen, um ihn dann mit vagen Vermutungen an den Pranger zu stellen oder gar strafrechtlich gegen ihn vorzugehen. Das Thema Reiner Calmund ist völlig ohne unser Dazutun ins Rollen gebracht worden.


    Ich will auch an dieser Stelle noch einmal betonen: Ich glaube einfach nicht, dass Reiner Calmund etwas unrechtes getan hat. Er hat sicherlich alles zum Wohle von Bayer 04 getan. Davon bin ich zutiefst überzeugt. Ob er dabei hier und da übers Ziel hinausgeschossen ist, das will ich nicht, sondern das müssen andere beurteilen.


    BayArena Magazin: Ihnen wird der Vorwurf gemacht, Sie hätten das, was man Reiner Calmund heute vorwirft, alles gewusst. Wie viel haben Sie denn nun gewusst?
    WOLFGANG HOLZHÄUSER: Einiges habe ich gewusst. Etwas habe ich geahnt. Das Meiste habe ich nicht gewusst aber durch Nachfragen erfahren, meist zu spät, um es zu verhindern. Aber es war mein Auftrag der Bayer AG, Ordnung in die Finanzen zu bringen.
    Ein Beispiel dafür ist auch die jetzt bekannt gewordene und damals notwendige „strafbefreiende Erklärung nach dem Amnestiegesetz“ wegen Millionenzahlungen auf meist süd-amerikanische Konten. Auch das gehörte zu den ordnenden Maßnahmen, die ich zu ergreifen hatte.


    BayArena Magazin: War das alles nicht ein bisschen spät?
    WOLFGANG HOLZHÄUSER: Vielleicht hätte man einiges von Anfang an anders machen können. Aber im Rausch des Erfolges sieht so manches anders aus oder wird anders eingeschätzt. Dann kam das Wegbrechen der Fernsehgelder hinzu. Aber Erfolge kosten Geld. Viel Geld. Und unseren Chancen, mehr Geld einzunehmen, sind – wie alle wissen – durch die begrenzten Möglichkeiten in der jetzigen BayArena natürliche Schranken gesetzt.
    Vor allem muss man die Situation immer vor dem Hintergrund betrachten, dass man Erfolge – zum Beispiel in der Champions League – nur mit hohem finanziellen Aufwand erreichen kann. Und hat man Erfolg, kann man ihn dann auch wieder nur mit längerfristigem hohen finanziellen Aufwand auf Dauer erhalten. Das bedeutet: Die erfolgreichen Spieler werden bekannt und können nur mit attraktiven Verträgen gehalten werden, weil sie sonst zu finanzstärkeren Klubs wechseln. Der damalige Vertrag mit Jens Nowotny ist das typische Beispiel dafür.


    BayArena Magazin: Apropos Nowotny. Er verlässt den Verein und bekommt obendrein noch fast fünf Millionen Euro. Ist das verantwortungsvolles kaufmännisches Finanzgebaren?
    WOLFGANG HOLZHÄUSER:Ja, ist es. Letztlich bekommt er als Abfindung den abgezinsten Betrag, den er bekommen hätte, wäre sein Vertrag bis 2008 weiter gelaufen. Er verzichtet damit natürlich auf etwaige Prämienzahlungen etc. in der Zukunft. Mit der Abfindungszahlung werden die Haushaltspläne der nächsten beiden Jahre entlastet. Sicher muss man auch die zeitlichen Zusammenhänge und Ereignisse sehen. Es gab juristisch ungewisse Auseinandersetzungen um Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall in Millionenhöhe und Forderungen zur Übernahme von Steuern bei Handgeldern – ebenfalls in Millionenhöhe. Beides war mit dem Kündigungsvertrag vom Tisch.


    Außerdem war das Verhältnis zu Bayer 04 im Jahre 2005 durch die von Jens Nowotny und seine Berater eingeleiteten juristischen Schritte und die damit einhergehenden öffentlichen Äußerungen so zerrüttet, dass eine Trennung unvermeidbar schien. Da war die Trennung unter den damaligen vertraglichen Verhältnissen auch mit den vereinbarten Zahlungen kaufmännisch richtig. Was wäre denn die Alternative gewesen? Ein Jens Nowotny, der bis zum Ende seines Vertrages bei Bayer 04 mittrainiert – so nebenbei noch zwei Prozesse gegen uns geführt – aber nicht gespielt hätte! Wahrlich keine Lösung. Da ist mir die jetzige Lösung mit einem Spieler, der wieder gespielt und sicher maßgeblich zum sportlichen Aufschwung beigetragen hat, immer noch lieber.


    http://www.bayer04.de