Alles nach vorne

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    VON MARKUS BURGER, 04.07.06, 07:06h


    Beim ersten Training präsentieren sich alle vier Zugänge im Team von Trainer Michael Skibbe.


    Leverkusen - Die wenigen Fotografen, die gestern bereits um 14.45 Uhr an der BayArena auf den ersten Auftritt der Fußballer von Bayer Leverkusen warteten, wurden zunächst überrascht. Ein Brasilianer, mit dem sie nicht gerechnet hatten, schlenderte lässig mit Shorts und Muskel-Shirt auf die Fotografen zu. Innenverteidiger Juan war gekommen, um sich nach dem WM-Aus gegen Frankreich bei seinem Arbeitgeber in den Urlaub zu verabschieden. Auf seine Teamkollegen müssen die Medienvertreter und Anhänger länger warten.


    Erst um exakt 15.27 Uhr (eigentlich sollte es um 15 Uhr losgehen) schleicht die Mannschaft, angeführt von Torhüter Hans-Jörg Butt, zum Trainingsplatz. Alle relativ unbehelligt, bis Sergej Barbarez erscheint und sich die spärlichen Anhänger mit diversen Autogrammwünsche auf ihn stürzen. Er ist der bekannteste Zugang der Leverkusener. In der vergangenen Saison hatte er mit zehn Toren und 13 Vorlagen maßgeblichen Anteil an einer starken Saison des Hamburger SV. „Ich denke, er will beweisen, dass die Hamburger ihn zu Unrecht haben ziehen lassen“, sagt Trainer Michael Skibbe. Weniger bekannt als Barbarez, dafür aber der teuerste Einkauf ist Stefan Kießling vom 1. FC Nürnberg. Mit 5,5 Millionen Euro Ablöse ist er die größte personelle Investition der Leverkusener seit Jan Simak. Allerdings hoffen die Verantwortlichen, dass Kießling ihnen mehr Freude bereitet als der Tscheche vor einigen Jahren. Diese Hoffnung scheint berechtigt. Der 1,94 Meter lange Schlaks mit der Schuhgröße 48 wirkt manchmal etwas staksig. Seine feine Technik und seine Nie-Aufgeben-Mentalität ließen ihn allerdings in Nürnberg zum Publikumsliebling avancieren. Bis dahin ist es beim Werksklub allerdings noch ein weiter Weg. Und so steckt sich der 22-Jährige bescheidenere Ziele. „Ich will mich zunächst einmal hier durchsetzen und spielen. Dafür werde ich im Training alles geben“, sagt Kießling.


    Das wollen auch Alexander Meyer (MSV Duisburg) und Pirmin Schwegler (Young Boys Bern), die die Reihe der Neuverpflichtungen komplettieren. „Das freut mich besonders, dass wir gleich zu Beginn der Vorbereitung alle Neuzugänge an Bord haben. So können sie sich schnell integrieren“, erklärte ein gut gelaunter Trainer Michael Skibbe.


    Bis auf Meyer sind die „Neuen“ allerdings alles Spieler für die Offensive. Diese Einkaufspolitik verwundert ein wenig, denn in der vergangenen Saison bereitete gerade die Defensive mit insgesamt 49 Gegentoren die größten Sorgen. „Das war sicherlich eines Tabellenfünften unwürdig“, sagt Skibbe. Nach dem Weggang von Jens Nowotny und der Verletzung von Roque Junior fehlen nun weitere Defensivkräfte, und die Lage ist noch um einiges prekärer. „Vom Mittelfeld und Sturm her sind wir absolut bundesligatauglich besetzt. Hinten müssen wir sicherlich noch etwas tun“, so Skibbe. Also wird der Markt weiter nach wechselwilligen Defensivkräften durchforstet.


    Die neue Bundesliga-Saison beginnt am 12. August. Für Simon Rolfes ist der erste Spieltag gleich etwas Besonderes. Dann trifft er mit seinen Kollegen auf seinen Ex-Klub Alemannia Aachen. Das erste offizielle Spiel bestreiten die Leverkusener zuvor im Ligapokal gegen Schalke 04 (29. Juli) in Düsseldorf.


    (KStA)

    http://www.ksta.de/jks/artikel.jsp?id=1149702708142