Werkself für immer

  • VON CHRISTIAN OEYNHAUSEN, 07.08.06, 06:57h


    Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser startet einen Vorstoß beim Gesellschafter-Ausschuss.


    Leverkusen - Das öffentliche Bekenntnis zum großen Sponsor ist als Mode ausgerufen bei Bayer 04 Leverkusen. Am Sonntag waren unter rund 12 500 Fans bei der Saisoneröffnung schon viele Anhänger zu sehen, die die neuen Klub-T-Shirts mit den Aufdrucken „Werkself“ und „Pillendreher“ trugen. Auch das Motto „Die Pille dreht sich wieder“ lehnt sich an diese Image-Kampagne an. Es gab Dixieland, Hüpfburg, Iärmende Kinder, Autogrammstunden und nach den Auftritten der Spieler eine Show mit Mike Leon Grosch, dem Vizemeister von „Deutschland sucht den Superstar“.


    Der Schulterschluss zwischen Klubverantwortlichen und Haupt-Geldgeber ist momentan auch in umgekehrter Richtung ein Thema. Am Ende der Saison laufen die Verträge von Sportdirektor Rudi Völler, Manager Michael Reschke und Cheftrainer Michael Skibbe aus. Der aktuelle Kontrakt von Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser endet im Sommer 2008. „Wir wollen zusammen weitermachen“,sagt Holzhäuser, der in dieser Angelegenheit bereits beim Kontrollgremium, dem Gesellschafter-Ausschuss vorstellig geworden ist. Dessen Sprecher Meinolf Sprink sagte gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Das ist ein ganz normaler Prozess. Wir lassen das jetzt erst mal sacken.“ Eine Entscheidung werde „in den nächsten Tagen oder Wochen“ fallen.


    Die Tendenz geht in Richtung Vertragsverlängerung. Die Bayer AG ist offenbar zufrieden mit Tempo und Ausmaß der finanziellen Konsolidierung, die Holzhäuser zu stemmen hat. Die bisweilen unglücklichen Auftritte im Zusammenhang mit der Calmund-Affäre, die den 56-Jährigen intern unter Druck brachten, wiegen nicht mehr schwer. „Da hat er viel einstecken müssen. Aber das Thema Calmund ist abgeschlossen.“ Auf der Haben-Seite steht für das gesamte Team offenbar auch, dass sie „einige bemerkenswerte Transfers eingefädelt haben“ (Sprink).


    Völler gab sich gegenüber dem Stadt-Anzeiger zurückhaltend: „Ich lasse die Dinge auf mich zukommen. Ich habe immer gesagt: Ich bin unabhängig“, sagte der 46-Jährige, der seit 1994 mit Unterbrechungen in allen möglichen Funktionen beim Werksklub tätig war und quasi die Kühlerfigur des Klubs geworden. Das Verhältnis zwischen Völler und Holzhäuser gilt als nicht konfliktfrei, auch wegen Völlers Freundschaft zu Calmund. Aber auch der Weltmeister von 1990 ist nicht abgeneigt, noch einmal „ja“ zum Werksklub zu sagen: „Es war ja ganz ordentlich zuletzt.“


    In sportlicher Hinsicht ließ Leverkusen am Freitag beim 0:0 gegen den FC Getafe noch einige Fragen offen. Trainer Skibbe musste erkennen, das sich aufgrund des verzögerten Trainingsbeginns der WM-Teilnehmer die Feinabstimmung und das Spielverständnis erst im laufenden Ligabetrieb einstellen werden. „Tests sind doch kein Maßstab“, sagt Sergej Barbarez, „im Winter hat Leverkusen auch kaum ein Testspiel gewonnen, und dann wurden sie zweitbeste Rückrundenmannschaft.“ Bis zum Start am Samstag gegen Alemannia Aachen bleibt Leverkusen noch ein Probespiel. Allerdings ist das Spiel beim BV Wermelskirchen kein echter Härtetest, sondern die am Ende der Vorbereitung übliche leichte Nummer zum Warmschießen. Fraglich ist der Einsatz von Michal Papadopulos, der gegen Getafe umgeknickt war.

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