Ernüchterung statt Titelträume

  • Leverkusen - Der Bundesliga-Geheimtipp Bayer Leverkusen ist wieder vom grauen Alltag eingeholt worden.


    Nach dem müden 1:1 (0:0) gegen den Fast-Absteiger VfL Wolfsburg war Trainer Michael Skibbe sichtlich bedient:


    "Das war ein Dämpfer. Spielerisch konnten wir nicht an die guten Leistungen der letzten Wochen anknüpfen."


    Vier Punkte aus drei Spielen - den Start in die Saison hatten sich die Verantwortlichen sicher anders vorgestellt.


    "Das ist zu wenig"


    "Das ist zu wenig", analysierte Schlussmann Jörg Butt und ergänzte: "Wir müssen sehen, dass mal was Zählbares herauskommt. Wie schon in Bremen war unsere Chancenverwertung das große Problem."
    Der Sturm Stefan Kießling/Sergej Barbarez hat offensichtlich noch Ladehemmung.


    Kießling vergibt beste Möglichkeiten


    Vor allem der 22-jährige Kießling, der für 5,5 Millionen Euro vom 1. FC Nürnberg gekommen war, vergab erneut beste Möglichkeiten.


    "Das ist eine Situation, mit der er umgehen muss. Ihm fehlt noch die Ruhe vor dem Tor. Aber Stefan ist noch kein ausgereifter Spieler", meinte Skibbe und stellte sich vor den Youngster.


    Unnötiger Platzverweis für Ramelow


    Nicht in Schutz nahm Skibbe dagegen Kapitän Carsten Ramelow, der die Werkself mit seiner Gelb-Roten Karte "enorm geschwächt hat".


    Trotz vorheriger Ermahnung hatte Ramelow bei Schiedsrichter Helmut Fleischer wiederholt reklamiert und war dafür völlig zurecht vom Platz gestellt worden.
    Doch auch mit ein wenig Abstand zeigte sich der Ex-Nationalspieler weiterhin uneinsichtig: "Das war total überzogen. Der Schiedsrichter wollte mir seine Stärke beweisen. Gelb hätte auch gereicht."


    Eigentor durch Madouni


    So fiel die Leverkusener Schlussoffensive in den letzten sieben Minuten aus. Doch auch zuvor hatte die Werkself kaum überzeugen können.
    Nach dem Führungstreffer durch Juan (49.) schaltete der Vorjahresfünfte vor 22.500 Zuschauern in der BayArena "zwei Gänge zurück" (Butt) und brachte die Wolfsburger wieder ins Spiel.


    Bezeichnenderweise sorgte auch noch ein Eigentor von Ahmed Madouni (70.) für den Endstand. Butt hielt in der Schlussphase immerhin noch einen Punkt fest.


    Augenthalers eigentümliche Rechnung


    Der Wolfsburger Coach Klaus Augenthaler gönnte sich dagegen nach der bislang besten Saisonleistung seiner Mannschaft erst einmal eine Zigarette.
    "Im Februar haben wir hier eine Klatsche bekommen, dieses Mal waren wir die bessere Mannschaft. Wenn alles optimal gelaufen wäre, hätten wir jetzt neun Punkte auf dem Konto."


    Ein Schuss Genugtuung


    Ein bisschen Genugtuung war schon dabei, schließlich ist es kein Jahr her, als er in Leverkusen nach zwei bisweilen sehr erfolgreichen Jahren entlassen worden war.
    Was folgte, war für den Weltmeister von 1990 ein "Himmelfahrtskommando" in Wolfsburg, das fast in der zweiten Liga geendet wäre.


    Manager Fuchs euphorisch


    Drei Punkte aus drei Spielen sind zwar auch keine berauschende Ausbeute, aber der Leistungsaufschwung machte "Auge" Mut.
    "Wichtig ist für mich zu sehen, dass wir uns von Spiel zu Spiel steigern." Und so wirkte auch Manager Klaus Fuchs geradezu euphorisch:
    "Das war seit langem das beste Auswärtsspiel und eine beachtliche Leistung. Die Offensivleistung war im Vergleich zum Frankfurt-Spiel kaum wiederzuerkennen."


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