Bayer wieder nur Mittelmaß - Wolfsburg gestärkt

  • 27.08.2006 10:39 Uhr


    Bayer 04 Leverkusen - VfL Wolfsburg


    Leverkusen (dpa) - Bei Bayer 04 Leverkusen bleibt nach dem mageren 1:1 gegen den VfL Wolfsburg das Wechselspiel zwischen Spitzenklasse und Mittelmaß in der Fußball-Bundesliga weiter eine Konstante.


    «Spielerisch konnten wir 90 Minuten nicht so überzeugen wie in den Partien zuvor. Das war ein Dämpfer», stellte Bayer-Chefcoach Michael Skibbe mit sichtbarem Unmut fest. Vier Punkte aus drei Spielen sind die nüchterne Bilanz des Werksclubs, der nach dem Auftakterfolg gegen Alemannia Aachen (3:0) und dem starken Auftritt bei Werder Bremen (1:2) in den Kreis der Titelmitfavoriten hochgejubelt worden war.


    Keinen Hehl aus seiner Verärgerung machte Leverkusens Schlussmann Jörg Butt, der mit Glanzparaden eine drohende Niederlage fast allein verhinderte. «Das ist zu wenig. Wir haben wie in Bremen viele Chancen gehabt und sie nicht genutzt», schimpfte er. «Es muss mehr Zählbares herauskommen.» Selbst seine eigene tolle Leistung konnte seine Wut nicht dämpfen: «Ich hätte lieber einen Sieg gerettet.»


    Im Auslassen von Torchancen tat sich vor allem Stefan Kießling hervor, der für rund sechs Millionen Euro vom 1. FC Nürnberg an den Rhein gekommen war. «Ich bin ein wenig sprachlos», sagte der 22 Jahre alte Stürmer, der ebenso wie sein Partner Sergej Barbarez noch keinen Treffer landete. «Mit dieser Situation muss er umgehen. Er ist ein talentierter Spieler, dem noch die Ruhe vor dem Tor fehlt», nahm Skibbe ihn in Schutz. Für die Treffer sorgten unterdessen zwei Abwehrkräfte: Juan erzielte in der 49. Minute das 1:0, Ahmed Madouni (70.) traf zum 1:1 ins eigene Tor.


    Bayers Schlussoffensive wurde nicht nur durch eigene Schwerfälligkeit, sondern auch durch die Gelb-Rote-Karte für Kapitän Carsten Ramelow durchkreuzt. «Da ist man ein Stück weit entsetzt. In so einer Situation ist so etwas ärgerlich», wetterte Skibbe. Wie von einer Tarantel gestochen hatte der 32-jährige Routinier in der 83. Minute Schiedsrichter Helmut Fleischer angepöbelt und zeigte danach keine Reue: «Gelb hätte auch gereicht. Es gibt schlimmere Sachen, ich habe ihn nicht beleidigt.»


    Etwas Besseres hat Wolfsburgs Trainer Klaus Augenthaler, der vor einem Jahr noch Coach in Leverkusen war und im Februar bei seiner ersten Rückkehr eine 0:4-Pleite erlebte, in dieser Saison von seiner Elf noch nicht gesehen. «Bayer hätte sich nicht beschweren können, wenn wir als Sieger vom Platz gegangen wären», meinte er nach dem dritten Unentschieden der Spielzeit und fügte zum Erstaunen der Zuhörer hinzu: «Wenn alles optimal gelaufen wäre, hätten wir jetzt neun Punkte.»


    Fakt ist jedoch, dass Wolfsburg nur drei Punkte und ein Tor, das nicht mal selbst erzielt wurde, auf der Habenseite hat. «Wir kommen dem eigenen Tor immer näher», sagte VfL-Manager Klaus Fuchs gut gelaunt und fügte ernsthaft an: «Von A bis Z war es eine geschlossene Mannschaftsleistung.» Dazu trug auch Stürmer Diego Klimowicz bei, der nach seiner Schauspiel-Einlage bei Eintracht Frankfurt viel Kritik einstecken musste. «Ich hatte das Gefühl, dass er wie Freiwild behandelt und vom Opfer zum Täter wurde», monierte Augenthaler, «er hat sich tadellos verhalten und zum Punktgewinn beigetragen.»


    (dpa)


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