Die Geduld des Torlosen

  • ERSTELLT 14.09.06, 22:33h, AKTUALISIERT 15.09.06, 20:18h


    Genf / Leverkusen - Wie er da mit geschultertem Klubsakko durch die Genfer Flughafenhalle schlenderte, lässig und offenbar völlig entspannt, erweckte Sergej Barbarez nicht gerade den Eindruck eines Mannes, der mit sich im Unreinen ist oder gar von tiefer Sorge zerfressen wird. Wenige Stunden zuvor, unmittelbar nach dem torlosen Unentschieden gegen den FC Sion, hatte das noch etwas anders ausgesehen. Gefrustet, nein, wütend war der Bosnier am späten Donnerstagabend vom Platz des Stade de Geneve in die Kabine gestapft. Das unbefriedigende Resultat, das den angestrebten Einzug der Leverkusener in die Gruppenphase des Uefa-Pokals alles andere als sicher scheinen lässt, dazu die anhaltende eigene Torlosigkeit, gepaart mit dem besonderen persönlichen Pech, im vierten Spiel hintereinander zum vierten Mal das Aluminium des gegnerischen Tores getroffen zu haben - all dies hatte sich sichtlich auf die Laune des Bosniers in Diensten von Bayer 04 Leverkusen niedergeschlagen. Mit ein wenig Abstand und dank einer Mütze Schlaf aber war die Welt für Barbarez am Freitagmorgen anscheinend wieder in Ordnung.


    „In meinem Alter lasse ich mich nicht mehr verrückt machen“, sagte der Routinier, der am Sonntag seinen 35. Geburtstag feiert. Dass er ebenso wie die anderen Bayer-Stürmer in der jungen Saison noch ohne Treffer ist, ficht ihn nicht an - „das wird schon noch“. Und die Gefahr, dass die Leverkusener wie schon im Vorjahr bereits in der ersten Uefa-Pokal-Runde ausscheiden könnten, sieht er nicht. „Wir sind in der Lage, gegen jede Mannschaft - ob in der Bundesliga oder international - Tore zu machen. Wir wissen, was im Rückspiel zu tun ist, und werden durchkommen, ganz sicher!“


    Chefcoach Michael Skibbe dagegen sprach nach dem Hinspiel, in dem Bayer erst nach 70 Minuten zu halbwegs ordentlichem Offensivspiel gefunden hatte, von einem „trügerischen und gefährlichen Ergebnis“. Bei anhaltender Erfolglosigkeit der eigenen Angreifer könnte im Rückspiel am 28. September in der BayArena ein einziger Konter der ob ihrer Schnelligkeit dafür prädestinierten Schweizer ausreichen, um Bayer den K. o. zu versetzen.


    Zunächst aber richtet sich der Blick des Trainers auf das Liga-Gastspiel am Sonntag bei der Frankfurter Eintracht. „Dort müssen wir was holen, sonst verlieren wir den Anschluss zur Spitzengruppe“, weiß Skibbe. Man kann's aber auch andersrum sehen: Verliert Bayer, was eingedenk des Auftritts der Hessen beim 4:0 über Bröndby Kopenhagen nicht völlig auszuschließen ist, dann stünde Leverkusen nach vier Spieltagen mit vier Punkten zu Buche; das wäre exakt die Ausbeute, die zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres zur Entlassung Klaus Augenthalers führte . . .


    Ein ähnliches Schicksal droht Skibbe nach Lage der Dinge nicht, zumal Klubchef Wolfgang Holzhäuser nicht müde wird, das gegenwärtig herrschende Betriebsklima bei Bayer 04 als „so gut wie nie zuvor“ zu preisen und auch schon laut über eine Vertragsverlängerung mit den sportlich Verantwortlichen, also Skibbe, aber auch Sportchef Rudi Völler und Manager Michael Reschke nachdenkt.


    Großartige personelle Veränderungen wird es gegenüber der Genfer Anfangsformation nicht geben, zumal Carsten Ramelow und Marko Babic gesperrt fehlen. Im Angriff wird Andrej Woronin abermals nur zweite Wahl sein, was den Ukrainer nicht gerade in Hochstimmung versetzen dürfte. Doch Skibbe erklärt lapidar: „Es geht doch nicht darum, dass ein Spieler begeistert aussieht.


    Frankfurt: Pröll - Ochs, Pruss, Rehmer, Reinhardt - Fink, Streit, Huggel, Weissenberger - Takahara, Thurk. -


    Leverkusen: Butt - Castro, Madouni, Juan, Stenman - Schwegler, Schneider, Rolfes - Freier, Barnetta - Barbarez. -


    Schiedsrichter: Fandel (Kyllburg).

    http://www.ksta.de/jks/artikel.jsp?id=1158241761421