Bewegender Nachmittag für Enke

  • Hannover - Leverkusen


    Sechs Tage nach dem Tod seiner Tochter macht er ein großes Spiel


    Als Robert Enke um 15.29 Uhr seinen Arbeitsplatz im Tor von Hannover 96 einnahm, wird es ihm kalt den Rücken hinuntergelaufen sein: "Du bist der beste Mann", schallte es ihm von den Rängen entgegen, und das deutlich stürmischer, als er es ohnehin gewohnt ist.


    Es war eine Solidaritätsbekundung der ganzen AWD-Arena für Enke, dessen zweijährige Tochter Lara am vergangenen Sonntag an plötzlichem Herztod gestorben war. Ihr Tod hatte die ganze Bundesliga erschüttert, doch mitten hinein in die Trauer hatte Enke erklärt, trotz allem spielen zu wollen - auch wenn er heute noch Laras Beerdigung bewältigen muss.
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    "Ich habe es ihm freigestellt", sagte 96-Trainer Dieter Hecking. "Nun liegt es an uns, eine möglichst normale Atmosphäre zu schaffen."


    Die Bitte wurde erhört: Zwar spielten alle 22 Akteure mit Trauerflor, im Stadion jedoch sah man keine aufdringlichen Spruchbänder oder Grußbotschaften. Stattdessen lagen an den Eingängen Kondo-lenzbücher aus, dazu wurden die Zuschauer aufgefordert, für den Verein Kinderherz Hannover e.V. zu spenden.


    So wurde es tatsächlich ein normales Fußballspiel, an dessen Ende sich die Spieler von Hannover 96 wieder einmal bei Enke bedan- ken konnten, dass er ihnen das 1:1 (0:1) gerettet hatte.


    Hecking musste neben Altin Lala (Oberschenkel) und Frank Fahrenhorst (Beckenprellung) auch noch kurzfristig die grippekranken Michael Tarnat und Darius Zuraw ersetzen - was kaum zu bewältigen war und dazu führte, dass Leverkusen von Beginn an die Initiative übernahm und schnell zu Chancen kam, die Ahmed Madouni (6.), der starke Tranquillo Barnetta (18.) und Andrej Woronin (31.) jedoch zunächst vergaben.


    Erst in der 37. Minute gelang die Führung: Nach schönem Pass von Bernd Schneider erzielte Sergej Barbarez an dem machtlosen Enke vorbei das 1:0 - das erste Leverkusener Stürmertor dieser Saison.


    Nach dem Wechsel kam dann Enkes große Zeit, als er bravourös gegen Barnetta (53.) und Woronin (58.) klärte. Jetzt reagierte auch Hecking und brachte Vahid Hashemian für den überforderten Spielmacher Jan Bruggink. Endlich kam das Hannoveraner Offensivspiel in Schwung, während Bayer, wie schon in den Spielen zuvor, die Zügel schleifen ließ.


    Die Konsequenz war Hannovers glücklicher Ausgleich durch Thomas Brdaric (74.), der kurz vor Schluss sogar noch zweimal knapp vor dem Bayer-Tor scheiterte.


    So wurde es ein bewegender Nachmittag für Enke, der viel So- lidarität erfuhr und zudem wie- der einmal ein großes Fußballspiel absolvierte.


    Artikel erschienen am 24.09.2006


    welt.de