Bayer und der Fluch der Führung

  • Hannover - Sportchef Rudi Völler war frustriert, Trainer Michael Skibbe genervt und Mannschaftskapitän Carsten Ramelow enttäuscht.


    Zum vierten Mal in Folge war Bayer Leverkusen in der Bundesliga mit 1:0 in Führung gegangen und hatte am Ende doch nicht gewonnen.


    Erneut sprang beim 1:1 (0:1) bei Hannover 96 nur ein Zähler heraus.
    Statt des angestrebten Höhenflugs mit Blickrichtung auf den internationalen Wettbewerb befindet sich die Mannschaft mit mageren fünf Punkten aus fünf Spielen im Sinkflug und droht die Landung im Niemandsland der Tabelle.


    "Hätten Hannover abschießen müssen"


    "Wir hätten Hannover in der ersten Halbzeit abschießen müssen. Da haben wir das Spiel klar bestimmt. Leider ist es uns nicht gelungen, da uns die Kaltblütigkeit fehlt. Dass wir dann noch einen Treffer kassieren, ist einfach nur schade", haderte Völler.


    Da angesichts guter Möglichkeiten durch Ahmed Madouni (5.) und Andrej Woronin (31.) sowie einem Pfostenschuss von Tranquillo Barnetta (17.) nur ein Tor erzielt wurde, dürfte dem ehemaligen Weltklassestürmer Völler das Herz geblutet haben.


    Völler setzte seine Mannschaft im Gespräch mit Sport1.de für die nächsten beiden Partien gewaltig unter Druck: "Wir brauchen jetzt zwei Siege. Gegen Sion brauchen wir sowieso einen um weiterzukommen und dann kommt Schalke.


    Jörg Butt schlug in dieselbe Kerbe: "Wir haben es versäumt eine klare Führung herauszuspielen und dann bekommt man eben so ein Gegentor", sagte der Torhüter zu Sport1.de.


    Barbarez beendet Sturmflaute


    Wenigstens war es Sergej Barbarez, dem nach 37 Minuten der erste Saisontreffer eines Bayer-Angreifers gelang. "Damit ist zumindest dieses leidige Thema beendet", meinte Coach Skibbe.


    "Aber wir haben einfach zu viele Torchancen ausgelassen. Fußballerisch haben wir zwar über weite Strecken überzeugt, aber uns fehlt die Reife, die Spiele auch nach Hause zu fahren."


    Ex-Leverkusener Brdaric trifft


    So kam es wie es kommen musste. Hannover riss die Partie vor 31.155 Zuschauern in der letzten halben Stunde an sich und kam am Ende verdienten Ausgleich.


    Ausgerechnet der Ex-Leverkusener Thomas Brdaric, der bereits beide Treffer zum 2:1-Sieg beim VfL Wolfsburg am vergangenen Spieltag beigesteuert hatte, bescherte 96-Trainer Dieter Hecking doch noch ein halbwegs gelungenes Heimdebüt auf Hannovers Trainerbank (74.).Für Bayer war es von insgesamt sieben Gegentoren das sechste nach der Halbzeit.


    Ramelow bemängelt "fehlende Konstanz"


    "Wir haben nach der Pause stark nachgelassen und Hannover hat immer mehr an Übergewicht gewonnen. Uns fehlt momentan einfach die Konstanz", bemängelte Bayer-Spielführer Ramelow.


    Sein Team bereits am kommenden Donnerstag im Uefa-Cup-Rückspiel gegen den Schweizer Vertreter FC Sion (Hinspiel 0:0) die Chance zur Wiedergutmachung hat.


    Woche der Rache


    Bei Hannover feierte Brdaric derweil seine persönliche Woche der Rache.


    Mit den beiden Toren gegen seinen Ex-Verein Wolfsburg sowie seinen früheren Trainer Klaus Augenthaler hatte er auch Hannovers ehemaligem Coach Peter Neururer, der ihn auf die Tribüne verbannt hatte, eins ausgewischt.


    Am Samstag gelang ihm nun gegen seinen Ex-Klub ebenfalls ein Treffer. "Mein Tor war etwas glücklich, aber sehr wichtig. Nach dem Ausgleich hätten wir die drei Punkte auch noch komplett hierbehalten können", meinte der Angreifer.


    Hecking kann mit den vier Punkten leben


    Hecking, der eine stark ersatzgeschwächte Mannschaft aufbieten musste, zeigte sich unter dem Strich mit der Punkteteilung zufrieden.


    "Vier Zähler aus zwei Spielen - damit kann man zum Anfang leben", erklärte der Coach.
    "Aber ich bin nur froh, dass die Mannschaft zurückgekommen ist", sagte Hecking gegenüber Sport1.de und hofft gleichzeitig darauf, dass die Verletzten nächste Woche wieder zurückkommen.


    Enke hält den Punkt fest


    Der Coach erklärte aber auch, dass es "kein einfaches Spiel war nach den Vorkommnissen der letzten Woche."


    Hannovers Torhüter Robert Enke, der sich sechs Tage nach dem Tod seiner Tochter Lara praktisch selbst aufgestellt hatte und mit einer guten Leistung ein Garant für den Punktgewinn war.


    "Robert Enke ist ein Voll-Profi, der das für die kurze Zeit verdrängen konnte", sagte Hecking.


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