Bayer in der Endlosschleife

  • VON DIRK MESCH, 24.09.06, 22:25h


    HANNOVER. Der Kapitän sprach sich und seinen Leverkusener Leichtmatrosen nach der neuerlichen Enttäuschung von Hannover schlicht und ergreifend die fußballerische Intelligenz ab: „Wenn man wie wir immer mit 1:0 in Führung geht, dann muss man auch mal so clever sein, das Ergebnis über die Zeit zu bringen“, schnaubte Carsten Ramelow nach Bayers dürftigem 1:1 (1:0) bei den ersatzgeschwächten und psychisch angeschlagenen 96ern. „Wir kassieren immer wieder dumme Tore. Da darf man sich nicht wundern, wenn man auf der Stelle tritt.“


    Clever nein, dumm ja - als stark verkürzte Formel zur Erklärung der andauernden Leverkusener Ergebnismisere taugt die Ramelowsche Wortwahl wirklich ausgezeichnet. Legt man dazu dann noch die alte Platte der Verantwortungsträger Rudi Völler und Michael Skibbe auf, hat man die Fehlerkette auch schon geknüpft, mit der sich das ambitionierte Werksteam momentan selbst fesselt. „Wir hätten den Gegner in der ersten Halbzeit abschießen müssen“, meinte Sportdirektor Völler nicht zum ersten Mal in dieser noch jungen Saison, „da haben wir Hannover klar beherrscht.“ Und auch Trainer Skibbe sah in Niedersachsens Hauptstadt Parallelen zu Partien wie beispielsweise sechs Tage zuvor in Frankfurt (1:3): „Wir haben über weite Strecken fußballerisch überzeugt, waren aggressiv in den Zweikämpfen und haben uns viele Chancen erspielt. Aber uns fehlt die Reife, Spiele, die wir kontrollieren, sicher nach Hause zu bringen“, analysierte der Chefcoach - eben auch nichts Neues, wie er bemerkte.


    Weil Bayer 04 aus dieser Endlosschleife der Unzulänglichkeiten nicht herauskommt, wird es langsam aber sicher brenzlig. Am Donnerstag im Heimspiel gegen den FC Sion (20.30 Uhr) geht es um die Qualifikation für die Gruppenphase des Uefa-Pokals. Ein Erstrunden-Aus wie im Vorjahr gegen ZSKA Sofia, und die Lunte wäre gelegt. Es könnte richtig knallen, wenn am kommenden Sonntag in der BayArena gegen Schalke 04 der ersehnte Anschluss an die Spitze nicht gelingt und der Club sich am Bodensatz der Bundesliga orientieren müsste. Völler drückte in Hannover die Brust raus und legte den Kopf trotzig in den Nacken, als er die ultimative Wochenvorgabe für Skibbe & Co. formulierte: „Zwei Heimsiege, ganz einfach!“


    Eine mehr als klare Ansage, es kommt allmählich Druck in den Kessel. Wie aber auch sonst lässt sich verhindern, dass sich die kickende Belegschaft auf ewig in Selbstgefälligkeit wiegt, weil sie ja immer so schön Ball und Gegner laufen lässt? Auch in Hannover hat man das - zumindest selbst - so gesehen gegen ein angeschlagenes Team, das nicht nur von einer Grippewelle und von Verletzungen geschwächt war. Vor allem der Tod der zweijährigen Tochter von Torwart Robert Enke beschäftigte die harmlosen Gastgeber, die dennoch kurz vor Schluss durch einen Konter fast sogar das 2:1 erzielt hätten: „Es wäre die Krönung einer nicht guten Woche gewesen“, meinte 96-Coach Dieter Hecking, der so lediglich den Ausgleich des Ex-Leverkuseners Thomas Brdaric (76.) bejubeln durfte.


    Für Bayer traf der ansonsten schwache Sergej Barbarez (37.), der nach insgesamt 608 Minuten immerhin das erste Leverkusener Stürmertor in dieser Saison erzielte. Seine Stimmung war trotzdem mies, den Kopf schüttelnd stapfte der Bosnier später stumm in die Kabine. „Es gibt eben keinen Ersatz für positive Ergebnisse“, sagte Skibbe. Wie wahr.


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