Leverkusen: Interview mit Dauerbrenner Carsten Ramelow
Hinten hält er den Laden zusammen, vorne sorgt er für wichtige Tore: Neulich im UEFA-Cup gegen den FC Sion sowie zuletzt in der Bundesliga gegen Schalke. Seit Jahren ist Carsten Ramelow (32) einer der führenden Köpfe in Leverkusen. Bayers Dauerbrenner und Kapitän, seit bald elf Jahren im Klub, tritt derzeit wieder mal in Top-Form auf. Im kicker spricht der ehemalige Nationalspieler (46 Einsätze, Vizeweltmeister 2002) über...
...die Wende zum Saisonstart: "Die letzte Konsequenz fehlte am Anfang öfter, da haben wir auch häufig zu leichtsinnig gespielt oder zu sehr auf den Gegner reagiert, anstatt selbst die Initiative zu ergreifen. Aber unsere Siege gegen Sion und Schalke machen mich sehr zuversichtlich. Da hat die Mannschaft nach Gegentoren toll reagiert und sich aus dem Tief rausgezogen. Das war absolut top."
...das Tabellenbild: "Eine breite Spitzengruppe, wir mit zwei Punkten Abstand dahinter, das sagt noch nicht viel aus. Wenn du ein-, zweimal verlierst, hängst du gleich unten drin. Aber das wird uns nicht passieren, wenn wir mal über 90 Minuten das hinbekommen, was wir jetzt phasenweise gezeigt haben. Dann sind wir garantiert oben dabei, und es sieht so aus, als kämen wir langsam ins Rollen."
...Leverkusens Mischung: "Ich hatte in der Vorbereitung schon ein sehr gutes Gefühl, weil bei uns die Mischung stimmt zwischen erfahrenen Leuten wie Schneider, Butt und Barbarez sowie jungen Spielern, die nachdrängen, wie Castro, Rolfes und andere. Dieser Wille, diese Leidenschaft in der Mannschaft, da stimmt es momentan."
...merkwürdige Pfiffe: "Dass die eigenen Zuschauer Sergej Barbarez zuletzt ausgepfiffen haben, das kann ich nicht nachvollziehen. Natürlich wirkt vieles lässig bei ihm, aber das kommt in erster Linie wegen seiner spielerischen Klasse, nicht weil er sich nicht reinhängen würde. Er fordert immer den Ball und gibt alles für die Mannschaft. An ihm werden wir alle noch jede Menge Spaß haben, wir Spieler und auch die Fans."
...internationale Chancen: "Wir müssen im UEFA-Cup eine sehr interessante und starke Gruppe bewältigen. Gute Namen, tolle Spiele - treten wir so auf wie zuletzt, dann haben wir gute Chancen, die Gruppenphase zu überstehen."
...Wehmut wegen der Nationalelf: "Kommt bei mir nicht auf, auch nicht während der WM oder jetzt durch den Wortmann-Film. Ich habe mit meinem Rücktritt vor zwei Jahren meine Entscheidung getroffen. Es hat mir gutgetan, auch wenn es sich in der ersten Zeit komisch anfühlte: Die meisten anderen gehen auf Länderspielreisen, ich trainiere in Leverkusen. Das war ungewohnt, aber ich sehe die Sache relaxed."
Oliver Bitter
07.10.2006, 14:53