Stefan Kießling ist vor dieser Saison vom 1. FC Nürnberg zu Bayer Leverkusen gewechselt. Der 22-jährige Mittelstürmer soll dort den abgewanderten Torjäger Dimitar Berbatov ersetzen.
Profis und ihr erster BolzplatzLange bevor ihn Jogi Löw für einen Platz in der Nationalmannschaft ins Gespräch brachte, veranstaltete er in seiner Heimatstadt Bamberg kleine Weltmeisterschaften – auf dem örtlichen Spielplatz.
»Also, so genau kann ich gar nicht mehr sagen, wann ich mit dem Fußball angefangen habe. Da mein Vater, mein Onkel und meine Cousins alle gespielt haben, wird das sehr früh gewesen sein. Ich habe angeblich gegen alles getreten, was mir vor die Füße gekommen ist. Das berichten jedenfalls meine Eltern, Geschwister – und besonders meine Oma. Da ich früher viel Zeit bei den Großeltern verbracht habe, war sie es auch, die mit mir im Garten stehen musste und der dann die Bälle um die Ohren gefl ogen sind. Sie hat mir die Pille zugerollt und ich habe zurück geschossen. Als ich größer wurde, bin ich mit Kumpels und Schulkameraden auf kleinere Fußballplätze gegangen. Es gab da in Bamberg einen Spielplatz, auf dem wir nach der Schule gekickt haben. Dort haben wir alles Mögliche simuliert: Weltmeisterschaften, Europameisterschaften usw. Aber auch Vereinsturniere. Meistens waren wir so zehn Mann, also fünf gegen fünf. Der Platz hatte zwei Holztore ohne Netze und war so etwa 20 mal zehn Meter groß.
Wenn wir mal nicht so viele waren, haben wir andere Spielchen gespielt. Es gab da so ein Ding, das hieß »Balla«. Woanders wird es auch »Englisch« genannt. Dabei geht es darum, den Ball immer aus der Luft zu nehmen. Man darf also nur volley ein Tor erzielen. Tickt der Ball vorher auf oder rollt über den Platz, muss man selbst ins Tor.
Eine andere Sache, bei der besonders ich meine Freude hatte, waren Fernschüsse, so aus zwölf, 13 Metern. Bei einem Fehlversuch musste man sofort weiter ins Tor fl itzen, da die anderen schon wieder munter begonnen hatten, abzuziehen. Ein ziemlich laufi ntensives Spiel. Aber das mochte ich damals schon, von einer Ecke in die andere laufen, ständig in Bewegung sein. Ähnlich wie Jürgen Klinsmann, der zu der Zeit mein absolutes Idol war. Viele meinten damals, dass ich ihm ähneln würde. Unser Laufstil, dazu meine blonden Haare. Er war mein Vorbild, ich wollte ihm nacheifern, aber der Grund, weshalb ich heute im Sturm spiele, ist ein anderer: Eigentlich stand ich im Tor, weil auch mein Vater Keeper war. Eines Tages bin ich dann aber aufs Feld, bin gelaufen, so gut ich konnte, und habe nebenbei noch fünf Buden gemacht. Von da an war klar, dass ich das öfter verspüren will: dieses bestimmte Gefühl, wenn der Ball ins Tor geht. Heute muss ich auf solch gepfl egte Bolzeinlagen verzichten, ist ja alles vertraglich geregelt. Wenn man sich privat verletzen würde, wäre die Kacke wohl ziemlich am dampfen.«
Autor: Ozan Sakar