Er kam als großer Hoffnungsträger, wartet jedoch noch immer auf seinen Durchbruch: Eigentlich sollte Sergej Barbarez beim Bundesligisten Bayer Leverkusen den abgewanderten Torjäger Dimitar Berbatow ersetzen und die jungen Spieler führen.
Doch zuletzt wurde der Bosnier sogar vom eigenen Publikum ausgepfiffen, und auch sein Fürsprecher Michael Skibbe kritisierte den eigenwilligen Profi in jüngster Vergangenheit.
"Er weiß, dass er derzeit mit seiner Leistung nicht zufrieden sein kann", meinte der Leverkusener Trainer. Neben einer oft allzu lässig wirkenden Spielweise fehlt dem Torschützenkönig von 2001 vor allem Erfolg: In zehn Pflichtspielen traf Barbarez nur ein Mal für seinen neuen Club.
Bayer-Trainer Skibbe, der den Bosnier schon Ende der 90er Jahre als BVB-Coach gegen das kritische Dortmunder Publikum verteidigen musste, stärkt seinem Schützling ebenso wie alle Kollegen und Verantwortlichen den Rücken.
Pfiffe nach der Stuttgart-Pleite
Nach der am Wochenende 0:3 verlorenen Partie beim VfB Stuttgart hatten die Fans erneut Barbarez zum Buhmann gemacht. Kapitän Carsten Ramelow konnte die Pfiffe gegen seinen Mitspieler "nicht nachvollziehen".
Auch Rudi Völler nimmt den Neuzugang in Schutz. "Er versucht halt oft den schwierigen Ball zu spielen. Aber er ist immer in Bewegung und er wird noch viele Tore für uns schießen", sagte Bayers Sportdirektor im DSF.
Dem im Sommer ablösefrei vom Hamburger SV verpflichteten Barbarez stehen schwere Zeiten bevor, wenn er in Leverkusen nicht in Tritt kommt. Frustriert gab der Kapitän der bosnischen Nationalelf in der vorigen Woche seinen Rücktritt aus dem Auswahlteam seiner Heimat bekannt.
"In meinem Alter ist es eine schwere Last, für den Club und die Nationalelf zu spielen", sagte der 35-jährige Profi. Zuvor hatte Bosnien nach dem 0:4 gegen Griechenland schon fast alle Chancen auf die EM-Teilnahme 2008 verspielt und Barbarez somit um einen letzten großen Auftritt gebracht.
Gegen den HSV soll der Knoten platzen
Ausgerechnet vor der Partie gegen seinen kriselnden Ex-Club aus Hamburg sucht der Bosnier weiter seine Top-Form. "Wir haben ein Gespräch geführt und aus meiner Sicht ist zu sagen, dass seine Leistung noch ausbaufähig ist", meinte Skibbe und schützte seinen Mittelfeldspieler vor ungerechter Kritik.
"Im läuferischen und kämpferischen Bereich kann man ihm keinen Vorwurf machen. Er ist in unserem Team Führungsspieler", sagte der Bayer-Trainer. Barbarez selbst sieht die Situation gelassen. "Wir sollten den Ball flach halten. Ich weiß schon, was ich machen muss."
Seinen alten HSV-Kameraden will es der Torschützenkönig von 2001 zeigen. Kontakt mit Trainer Thomas Doll oder anderen gemeinsamen Weggefährten früherer Tage hat er nicht mehr. Seine Familie lebt allerdings noch an der Elbe und nach seiner aktiven Karriere wird der Bayer-Profi ebenfalls wieder nach Hamburg gehen.
Trotz aller Anfangsschwierigkeiten hat Barbarez den Wechsel nach Leverkusen nicht bereut. "Ich war noch nie in einer spielerisch so starken Mannschaft wie jetzt. Und spielerisch besser als der HSV sind wir sowieso", verriet der Bosnier in einem Interview mit SPORT BILD.