Die Heilkraft des Unentschiedens

  • VON CHRISTIAN OEYNHAUSEN, 20.10.06, 23:33h, AKTUALISIERT 20.10.06, 23:58h


    Brügge / Leverkusen -Die heilende Kraft von Unentschieden im Fußball sollte nie unterschätzt werden. Bayer 04 Leverkusen hat dafür ein schönes Beispiel geliefert. Das 1:1 im Uefa-Pokal beim FC Brügge vom Donnerstag - ein bisschen erzittert, aber auch hart erkämpft - hat als Stimmungsaufheller ausgezeichnet funktioniert. „Das war ein Schritt nach vorn. Wir haben dazwischengehauen, und nur so geht es“, sagte Kapitän Carsten Ramelow. Torhüter Hansjörg Butt, Leverkusens großer Rückhalt im Jan-Breydel-Stadion, wagte schon einen optimistischen Ausblick in die K.-o.-Runde: „Hoffentlich kommt Werder Bremen in der Champions League weiter, dann wären für uns Spiele gegen den FC Barcelona möglich.“


    Auch Butts Trainer war am Freitag in bester Laune. Michael Skibbe mochte nicht lange nach Haaren in der Suppe suchen und zum Beispiel über die magere Tor-Quote seiner Stürmer sprechen. Denn: „Ein Stürmer hat unser Tor in Brügge gemacht.“ Bisher galt zwar der Schütze Bernd Schneider als vielseitiger Mann, der verteidigen und im Mittelfeld auf allen Position spielen kann. Aber als Stürmer wurde er bisher selten beschrieben. „Er hat mit Barbarez hinter der Sturmspitze gespielt, das interpretiere ich als Stürmer-Tor“, sagt Skibbe.


    So kommt es, dass Schneider mit nun drei Saison-Toren - zwei im Uefa-Cup und eines im Pokal - Leverkusens bester Stürmer ist. „Uns fehlt ein bisschen Torgefahr“, räumt Skibbe dann doch ein. Aber alle rechnen damit, dass Schneider am Sonntag (17 Uhr, BayArena) eingeholt wird, und zwar von Sergej Barbarez. „Es würde mich natürlich freuen, wenn es bei ihm am Sonntag klickt“, sagt Skibbe. Das Spiel des Bosniers gegen seinen alten Klub HSV trägt alle Züge einer Revanche-Geschichte: Hier der Ex-Verein, der seinen verdienten Kreativspieler nicht mehr um jeden Preis halten wollte, dort der 35-Jährige, der beweisen will, dass das ein großer Fehler war. „Es macht mich traurig zu sehen, wie nach diesem sensationellen Jahr schon wieder alles am Boden liegt“, sagt Barbarez über seinen Ex-Klub, der seit 15 Spielen nicht mehr gewonnen hat. HSV-Coach Thomas Doll muss auf die gesperrten Mahdavikia und Jarolim sowie die verletzten Wicky, de Jong, Demel und Reinhardt verzichten. Immerhin kann beim HSV der lange verletzte Kapitän Rafael van der Vaart wieder mitspielen. „Niemand sollte erwarten, dass ich in Leverkusen auflaufe, drei Tore schieße und das Spiel allein entscheide“, sagt der 23-Jährige. Aber er weiß: Genau so etwas wird von ihm erhofft.


    Auch Skibbe muss womöglich größere Umstellungen vornehmen. Kapitän Ramelow ist gesperrt, Castro verletzt. In Brügge erlitt Juan eine Prellung im Oberschenkel, und Tranquillo Barnetta musste wegen einer Platzwunde am Kopf genäht werden. Skibbe zeigte sich vorsichtig optimistisch, beide Spieler einsetzen zu können. (mit dpa)


    Aufstellungen: Bayer 04: Butt - Haggui, Juan (Stenman), Madouni - Freier, Rolfes, Barnetta (Schwegler) - Schneider, Barbarez - Woronin, Kießling. - HSV: Kirschstein - Benjamin (Kompany), Klingbeil, Mathijsen, Atouba - Sorin - Fillinger, Trochowski - van der Vaart - Guerrero, Ljuboja.



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