Nein, dieses Spiel hatte wirklich keinen Verlierer verdient. Es war ein packendes und mitreißendes Spiel auf technisch hohem Niveau, das Bayer 04 trotz einer 1:0-Pausenführung noch aus der Hand gab. „Wir waren in der 2. Hälfte die bessere Mannschaft und verlieren, das ist schon sehr ärgerlich“, sah es Michael Skibbe.
Bayers Cheftrainer hatte sich erneut für eine Dreierkette hinten entscheiden, den gesperrten Carsten Ramelow ersetzte Pirmin Schwegler. Stefan Kießling und Andrej Voronin begannen gemeinsam im Angriff, Fredrik Stenman musste zunächst auf die Bank.
Typisch für dieses außergewöhnliche Fußballspiel zwischen dem Zwölften und dem Siebzehnten, dass sofort Torchancen in Hülle und Fülle herausgespielt wurden.
Schon nach sechs Minuten die Großchance für Sergej Barbarez: Eine Flanke von rechts des erneut bärenstarken Bernd Schneider setzte der Ex-HSVer aus wenigen Metern per Kopfballaufsetzer über die Latte.
Pfosten rettet für Butt
Mindestens genau so gut die Chance für Sanogo. Der HSV Stürmer spielte den heraus geeilten Jörg Butt am Strafraumeck aus, um den Ball aus nicht mal allzu spitzem Winkel ans Außennetz zu setzen (12.).
Weiter 0:0 statt 1:1, aber der HSV blieb am Drücker. „Hamburg hat uns in der ersten Halbzeit mehrmals in Verlegenheit gebracht, da war unsere Führung schon sehr glücklich“, gab Skibbe zu.
Denn ein Kopfball von Ljuboja landete nur am Innenpfosten (37.) und auch Sanogo hatte kein Schussglück.
Voronins erstes Saisontor
Und mit großzügiger Hilfe des HSV gelang Andrej Voronin mit seinem ersten Saisontreffer das 1:0: Keeper Kirschstein und Atouba behinderten sich im Fünfmeterraum und Voronin reagierte aus drei Metern am schnellsten (40.).
Eine Minute zuvor hatte Juan einen Schneider-Freistoß dicht am Tor vorbei geköpft. Kurz vor der Pause schloss Schneider einen Konter im Strafraum zu überhastet ab.
Intensiv ging es unmittelbar nach der Pause weiter und Bayer verpasste den entscheidenden Schlag. Schneider verlud einmal mehr Atouba, spielte flach in die Mitte, wo Voronin und Barbarez am langen Pfosten nur um ein, zwei Zentimeter zu spät kamen (49.).
Dolls Glücksgriff
Bayer bekam das Spiel, das jederzeit hart umkämpft blieb, immer besser in den Griff, setzte aber den entscheidenden Konter nicht.
Zu diesem Zeitpunkt etwas überraschend schlug der HSV zurück. Atoubas langen Ball in den Strafraum brachte Trochowski in die Mitte, wo der gerade eingewechselte Guerrero aus sieben Metern ungedeckt einschob (70.).
Skibbe brachte Paul Freier, der noch ein gutes Solo hinlegte, doch wieder nicht den Abschluss suchte. Das 1:1 wäre das gerechte Ergebnis gewesen, doch in den Schlussminuten wurde Guerrero noch zum Spieler des Abends.
Mittwoch nach Duisburg
Zwischen Haggui und Juan stahl sich der Peruaner im Sechzehner davon und drückte Sorins Flanke aus fünf Metern über die Linie (86.).
Der HSV feierte überschäumend den ersten Saisonsieg, während Bayer die erste Heimniederlage verdauen musste. Die nächsten Aufgaben heißen auswärts MSV Duisburg Mittwoch im DFB-Pokal und Mönchengladbach Samstag in der Bundesliga.
Bayer 04: Butt - Haggui, Madouni, Juan - Schwegler, Rolfes - Schneider, Barnetta - Barbarez - Voronin, Kießling
Hamburger SV: Kirschstein - Klingbeil, Kompany, Mathijsen, Atouba - Feilhaber - Trochowski, Sorin - van der Vaart - Sanogo, Ljuboja
Tore: 1:0 Voronin (40.), 1:1 Guerrero (70.), 1:2 Guerrero (86.)
Einwechslungen: 46. Touré für Kießling, 69. Stenman für Madouni, 69. Guerrero für Ljuboja, 75. Freier für Barnetta, 76. Fillinger für van der Vaart, 88. Karl für Trochowski
Gelbe Karten: Barbarez, van der Vaart
Schiedsrichter: Dr. Jochen Drees (Mainz)
Zuschauer: 22.500 (ausverkauft)