VON MORTEN RITTER, 29.10.06, 12:57h
Mönchengladbach - Mit dem ersten Auswärtssieg der Saison hat Bayer Leverkusen den Absturz in die Abstiegszone vermieden, doch für Rudi Völler ist der schwache Bundesliga-Start damit nicht vergessen.
«Wir sind nicht auf Wolke sieben. Der Sieg war Pflicht, denn wir haben immer noch zu wenig Punkte. Wir müssen jetzt eine Serie starten», forderte Bayers Sportdirektor nach dem 2:0 (1:0)-Erfolg bei der zuvor im heimischen Stadion neun Monate unbesiegten Elf von Borussia Mönchengladbach. In der Tat: Eine Niederlage hätte die ambitionierten und zuvor vier Pflichtspiele sieglosen Leverkusener dicht an die Abstiegsränge geführt.
Doch mit dem Sieg knackte die Werkself Borussias imponsante Heim-Serie, beendete die eigene Auswärtsmisere von acht sieglosen Spielen und setzte den Erfolgskurs gegen ihren Lieblingsgegner fort. Seit über 12 Jahren oder 21 Bundesliga-Spielen hat Bayer gegen Borussia nun nicht verloren. «Das ist eine Wahnsinns-Serie», meinte Völler und blickte mit Stolz auf die Leistung seiner Elf. «Heute waren die Gladbacher einfach reif», befand Leverkusens Sportdirektor. Ermöglicht hatten Marko Babic mit dem Führungstreffer (12. Minute) und Andrej Woronin (74.) mit dem zweiten Tor den 2:0-Erfolg, zu dem auch Sergej Barbarez mit einer guten Leistung entscheidend beitrug. «Er war heute unser Fahnenträger», sagte Völler.
Trainer Michael Skibbe, der nach den durchwachsenen Leistungen seiner Mannschaft ebenfalls in der Kritik stand, fiel ein Stein vom Herzen. «Wie die gesamte Mannschaft bin ich sehr erleichtert», meinte Skibbe. Der Bayer-Coach lobte die Vorstellung seines Teams, das nach anfänglichen Schwierigkeiten einen souveränen Sieg einfuhr. «Ich freue mich vor allem, dass wir endlich mal konstant defensiv gut gestanden und das Spiel fußballerisch in den Griff bekommen haben», meinte Skibbe. Doch wie Völler mahnten auch die Bayer-Profis selbst vor Selbstzufriedenheit. «Das darf keine Eintagsfliege sein. Wir müssen jetzt Konstanz zeigen», forderte Torhüter Jörg Butt.
Schwierigen Zeiten sieht Borussia Mönchengladbach nach drei Niederlagen innerhalb einer Woche entgegen. Drei Tage nach dem blamablen Pokal-Aus beim Regionalligisten VfL Osnabrück waren die Fans restlos bedient und Trainer Jupp Heynckes relativ ratlos. «Ich kann mir das nur so erklären, dass die Woche mit den Niederlagen und den Fan-Protesten nach der Pokal-Niederlage nicht spurlos an der Mannschaft vorbeigegangen ist», sagte der Borussen-Coach. An eine Siegchance habe er nicht mehr geglaubt. «Ich hatte nie den Eindruck, dass wir das Spiel noch kippen könnten», gab Heynckes zu.
Die jungen Spieler überfordert, 4-Millionen-Euro-Einkauf Federico Insua verunsichert und zum dritten Mal zur Pause ausgewechselt - nun patzte selbst Torhüter Kasey Keller beim ersten Gegentor wie ein Anfänger. «Das ist für viele Spieler eine neue Situation. Aber als Profi musst du damit zurechtkommen. Meine Aufgabe ist es, jetzt Ruhe reinzubringen», meinte Heynckes. Zudem muss das auswärtsschwächste Team der Liga die Negativ-Serie in der Fremde dringend beenden, um nicht wieder in gefährdete Tabellen-Regionen zu fallen. «Das Signal muss jetzt aus der Mannschaft kommen. Am besten mit einer guten Auswärtsleistung», sagte Gladbachs Mittelfeldspieler Peer Kluge. (dpa)