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Saison 2006/07
Frankfurter Rundschau
Mönchengladbach verliert nun sogar zu Hause / Heynckes vermutet nach Pokal-Aus "Blockade" in den Köpfen seiner Spieler
Wie ein Wanderpokal wechselt der Standort der Bundesligakrisenklubs in dieser ersten Saisonphase, rund zwei Drittel der Liga waren mittlerweile schon an der Reihe. Und natürlich fand der muntere Reigen auch an diesem Wochenende seine Fortsetzung. Vor dem 0:2 von Borussia Mönchengladbach gegen Bayer Leverkusen waren Chaos, Ratlosigkeit und Erklärungsnöte mit Getöse von den Gästen mit in den Borussen-Park gebracht worden - um dort geflissentlich an den unterlegenen Gegner übergeben zu werden. "Endlich sind wir einmal über 90 Minuten stabil geblieben", sagte Leverkusens Simon Rolfes, und Jupp Heynckes klagte: "Bei einigen meiner Spieler war eine Blockade da, die konnten ihr Leistungsvermögen nicht abrufen."
Der Trainer vermutet "psychische Gründe", und musste feststellen: "Es ging nichts." Weil sein Team unter der Woche beim Regionalligisten VfL Osnabrück aus dem Pokal ausgeschieden ist und der halbwegs beruhigende Rhythmus von Heimsieg und Auswärtsniederlage unterbrochen wurde, hat das reiselustige Krisengespenst vorerst eine würdige neue Heimat gefunden: am Niederrhein.
Denn in Mönchengladbach handelt es sich nicht um eine tabellarische Problematik. Die Probleme liegen woanders. Nicht eine einzige Tormöglichkeit hat die Borussia sich gegen Leverkusen erarbeitet, schon die Heimsiege gegen Cottbus und Wolfsburg kamen nur mit einigem Glück zustande, und weil den ständigen Auswärtsniederlagen in der Bundesliga auch noch das Pokal-Aus gefolgt war, hatten die Gladbacher Fans in Osnabrück mit einer Sitzblockade vor dem Mannschaftsbus und wütenden Diskussionen reagiert. Das wiederum führte Peter Pander als einen der Gründe für dieses 0:2 gegen Leverkusen an. "Die Fans müssen daran denken, dass sie unsere Situation mit solchen Aktionen nicht erleichtern", sagte der Manager, während Heynckes erklärte: "Das, was am Mittwoch passiert ist, darf normalerweise nicht sein. Leider ist das heutzutage nun mal so."
Lange hoffte man, dass die Heimstärke trotz der gewaltigen Unzufriedenheit unter den Anhängern bewahrt werden kann, dass es irgendwann gelingen möge, den verdammten Auswärtsfluch zu durchbrechen. Nun ist der umgekehrte Fall eingetreten. Dieser Samstag könnte einen Wendepunkt in der Mönchengladbacher Saisongeschichte markieren. Dem Team, das nächsten Sonntag in Frankfurt antritt, fehlt ein Individualist, der die durchschaubare Gleichförmigkeit des Spiels durchbrechen kann. "Wir hätten Stunden weiter spielen können und kein Tor geschossen", fasste Michael Delura die Eindrücke dieses Nachmittags zusammen.
Bei Bayer Leverkusen hatte man in der ersten Saisonphase mit einer ganz ähnlichen Problematik zu kämpfen. Fehlende Effizienz war der Hauptmangel dieser Mannschaft, die "vom spielerischen Eindruck her eigentlich jedes Spiel hätte gewinnen können", wie Sergej Barbarez vor der Partie verärgert festgestellt hatte. Statt dessen war der Klub jedoch in finstere Abstiegsgefilde abgerutscht, im Pokal ausgeschieden und von einer Trainerdiskussion bedroht gewesen. In Mönchengladbach agierte sie nun einigermaßen überraschend im allerbesten Bayern-München-Stil. "Wir waren bis auf ein paar Minuten in jeder Halbzeit total überlegen", konstatierte Sportdirektor Rudi Völler, die Defensive war unerschütterlich und die klug vorgetragenen Konter hätten zu weit mehr Toren führen können als zu den Treffern von Marko Babic (12.) und Andrej Woronin (74.). Besonders deutlich war dem zuletzt heftig kritisierten Barbarez die Spielfreude anzumerken, der das 1:0 vorbereitete, viele feine Bälle spielte und vor Ehrgeiz fast zu platzen schien.