VON CHRISTIAN OEYNHAUSEN, 09.11.06, 19:06h
Leverkusen - Während in Köln der Abschied von einem Schweizer beschlossen wurde und beim VfL Bochum mit Marcel Koller ein anderer Eidgenosse von den Fans beschimpft wird, werden die Männer aus dem Alpenland bei Bayer 04 Leverkusen noch richtig gerngehabt. Pirmin Schwegler, der 19-jährige Verteidiger, spielte beim 3:1 in Bochum am Mittwoch einen soliden Part und darf sich bereits mental auf Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger von Bayern München einstellen, die ihm am Samstag auf Leverkusens rechter Seite in der BayArena (15.30 Uhr) begegnen werden. „Er ist schon ein sehr geschickter Spieler, trotz seiner Jugend. Er spielt technisch sauber und hat großes Potenzial“, lobte Trainer Michael Skibbe.
Tranquillo Barnetta, der andere Leverkusener Schweizer, hat noch mehr Grund zur Freude. Ihm gelang in Bochum endlich sein erstes Saisontor, und tags darauf unterschrieb er einen neuen Vertrag bei Bayer 04. Bis 2010 sicherte sich der Klub die Dienste des Nationalspielers und WM-Teilnehmers. Die Weiterverpflichtung Barnettas kann und muss also eindeutig der Geschäftsführungs-Riege Holzhäuser / Völler / Reschke zugeschrieben werden. Warum man das erwähnen muss? Weil es in Leverkusen um Barnettas Entdeckung eine Art Archäologen-Streit gibt: Wer hat den 21-Jährigen seinerzeit in der Schweiz aus- und angegraben? Die Management-Crew mit Reiner Calmund und dem Schweizer Ilja Kaenzig, die inzwischen selbst Geschichte ist bei Bayer 04? Oder doch Reschke, damals Chef der Bayer-Jugendarbeit?
Dabei profitiert Barnetta auch von der Unterstützung durch den Kroaten Marko Babic, der in Leverkusen als linker Verteidiger erst erfunden werden musste. „Man braucht für jede Position auch die Identifikation des Spielers. Er hat sich immer als den offensiven Part auf der linken Seite gesehen“, erzählt Skibbe. Weil der linke Flügel mit Babic hinter Barnetta wieder eine Waffe von Bayer 04 geworden ist, spricht im Moment niemand mehr vom Schweden Stenman oder vom Brasilianer Athirson, den beiden Leuten, die für die Rolle hinten links geholt wurden und sie - jeder auf seine Weise - extrem interpretieren: der eine ohne Vorwärtsgang, der andere ohne Blick zurück.
Die Stimmung vor dem Top-Spiel gegen die Bayern ist durchaus entspannt in Leverkusen. Mit einem Sieg könnte Skibbes Team sogar am Rekordmeister vorbeiziehen - das hätte man vor vier Wochen für einen schlechten Witz gehalten. Die personelle Lage ist aber weiter angespannt: Der Einsatz von Juan wird bis zur letzten Minute fraglich sein. Paul Freier ist nach der unberechtigten Gelb-Roten Karte von Bochum gesperrt, Casto, Meyer und Roque Junior sind verletzt. Hoffnung besteht, dass Kapitän Carsten Ramelow nach seiner Knöchelverletzung mitspielen kann. Falls nicht, würde wohl Stefan Kießling auf dem rechten Flügel beginnen.
http://www.ksta.de/jks/artikel.jsp?id=1162473014745