VON ANA OSTRI´C, 16.11.06, 17:57h, AKTUALISIERT 16.11.06, 18:01h
Im Presseraum der BayArena war am Mittwochvormittag mächtig was los. Dort, wo sich sonst durchschnittlich ein Dutzend Vertreter der professionellen Journaille trifft, besetzten rund 70 neugierige Schüler die blauen Stühle mit den integrierten Klapptischen. Im Rahmen des pädagogischen Projekts „Bayer 04 macht Schule“ hatte der Verein Jungen und Mädchen aus Dormagen, Mühlheim und Meinerzhagen eingeladen, um Trainer Michael Skibbe und Stürmer Stefan Kießling auf den Zahn zu fühlen.
Eine Pressekonferenz „so authentisch wie möglich“ hatten die Organisatoren versprochen. Bayer-04-Pressesprecher Uli Dost saß mit auf dem Podium vor der Sponsorenwand, das vereinseigene Fernsehteam filmte, und den Fragestellern wurde ein Mikrofon unter die Nase gehalten. So weit, so authentisch. Dass sich jemand mit einem Fan-Schal des Erzrivalen 1. FC Köln in den Presseraum wagt, ist ansonsten eher ungewöhnlich. Der junge Geißbock-Anhänger von der Dormagener Realschule nahm denn auch lieber in der letzten Reihe Platz. Und auch das obligatorische Buffet fehlte, den echten Pressevertretern werden nämlich belegte Brötchen und ein warmes Süppchen serviert. Aber das Geld sitzt nicht mehr so locker bei der Werkself, musste auch Michael Skibbe einräumen, als er gefragt wurde, warum Leverkusen denn noch keinen Meistertitel geholt hat. Das sei in dieser Saison schwierig, kickten doch weniger große Stars für Bayer 04 als noch vor ein paar Jahren: „Im Moment fehlen die finanziellen Mittel.“
Die jungen Fragesteller sorgten sich sowohl um den verletzten Bernd Schneider als auch um den Arbeitsplatz des Trainers („Herr Skibbe, haben Sie Angst, rausgeschmissen zu werden?“). Auch der 22-jährige Stefan Kießling wurde höflich gesiezt und gewann mit seiner lockeren Art die Sympathien vor allem der weiblichen Anwesenden im Nu.
„Trikots sind sexy“
Der Franke berichtete von seinen Hobbys - „Kino, Essen gehen und auch mal daheim auf der Couch sitzen“ - und reagierte souverän auf die Frage, wie ihm denn die italienische Nationalmannschaft gefalle: „Die Trikots sind sexy.“ Die Lacher hatte der blonde Stürmer damit auf seiner Seite. Pressesprecher Uli Dost dagegen wollte keinen Einblick in seinen Arbeitsalltag gewähren. Was er eigentlich den ganzen Tag so mache, wurde er gefragt, doch der Medienprofi bügelte den jungen Mann mit einer Gegenfrage ab: „Hast du vier Stunden Zeit? Wohl nicht.“ Nach einer Dreiviertelstunde war das Frage- und Antwort-Spiel beendet. Skibbe und Kießling schrieben fleißig Autogramme und lächelten für die begehrten Erinnerungsfotos freundlich in digitale Kameras und Foto-Handys.
Stefan Kießling konnte sich dann auch noch über zwei neue Fans aus Meinerzhagen freuen. Mit roten Wangen und breitem Grinsen hielten Lena Albrecht und Steffi Hoff die soeben unterzeichneten Autgrammkarten - mit persönlicher Widmung, versteht sich - in den Händen. Die beiden 15-jährigen Fußballfans waren vom sympathischen Profi begeistert. „Sehr nett“ sei der Stefan, den sie im Gespräch „natürlich gesiezt“ haben. Nach seinen liebsten Schulfächern hatten sie ihn schon während der Pressekonferenz gefragt, doch erst unter sechs Augen trauten sich die beiden Mädchen ans Eingemachte.
„Der riecht so gut“, hatten sie beim Autogrammeschreiben festgestellt. Das blieb nicht ungehört, und Kießling kam beim Verlassen des Presseraums noch einmal darauf zurück. „Ist übrigens von Armani, mein Parfum“, rief er Lena und Steffi zu. Die nahmen es kichernd zur Kenntnis und machten sich mit den anderen auf zur Stadionführung.
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