Vereint im Stillstand

  • VON UDO BONNEKOH


    (RP) Die Nürnberger, seit zehn Partien ohne Sieg, stehen noch ein bisschen mehr unter Druck als die Leverkusener. Stefan Kießling freut sich schon auf sein „Heimspiel“ vor der ganzen Familie.


    Sie alle wollen kommen. Mutter, Schwester, Onkels und Cousinen. Für die ganze Familie hat Stefan Kießling Karten besorgt („Die sind gekauft“), 20 an der Zahl. Und allein schon dieser Umstand deutet auf das Außergewöhnliche hin: „Kies“, wie der der lange Franke gerufen wird, kreuzt erstmals nach seinem Wechsel vom „Club“ zu Bayer mit den Leverkusenern im Frankenstadion auf. Das wollen vor allem ihm Nahestehende an Ort und Stelle verfolgen. „Ich freu’ mich drauf“, sagt der Angreifer, „natürlich ist das Spiel was Besonderes für mich.“ Dumm nur, dass der 22-Jährige noch nicht weiß, ob „ich von Anfang an spiele“.


    Leverkusens Trainer Michael Skibbe macht dem Schlaks zwar Hoffnungen, mag aber auch für Kießling nicht von der lieb gewonnenen Übung abweichen, seine Formation frühestens am Freitag Abend den Betroffenen zu übermitteln. „Es kann sein, dass der Stefan von Beginn an in die Elf rutscht. Ich möchte den Schub, den er zuletzt bekommen hat, natürlich fördern“, betont Skibbe, der aber erst mal mögliche Nachwirkungen bei denen abwarten möchte, die unter der Woche unterwegs und im Einsatz bei Länderspielen waren.


    Der aktuelle Stand ist freilich der: alle wohlauf außer denen, die schon zuvor mit Blessuren belastet waren wie Bernd Schneider und Carsten Ramelow. Schneider, der in intensiver Behandlung ist, wird definitiv ausfallen. Mit Ramelow indes, der immer wieder muskuläre Probleme hat, rechnet Skibbe. Und es scheint, als werde der gerade genesene Gonzalo Castro sofort wieder in die erste Formation rücken, denn „der Gonzo hat sich ja weit nach vorn gespielt“. Das Gegenteil trifft gegenwärtig auf Simon Rolfes zu, der Ex-Aachener wirkt sogar überspielt, weshalb ihm der Leverkusener Coach vermutlich zu einer Auszeit verhilft und Sergej Barbarez (wie gegen die Bayern in der zweiten Hälfte) ins offensive Mittelfeld steckt – hinter Kießling und Andrej Voronin. Das wäre – mit dem von seiner Sperre befreiten Paul Freier und Tranquillo Barnetta auf den Seiten – die gewagteste der vorstellbaren Varianten.


    Bayer rechnet zumindest in diesem Jahr nicht mehr mit einer Rückkehr von Roque Junior. Der Brasilianer wird weiter in der Heimat an der stets aufs Neue sich entzündenden Achillessehne behandelt. Trainer Skibbe hat unterdessen Ahmed Madouni zum ersten Vorstopper neben dem Brasilianer Juan ausgerufen.


    „Für die Nürnberger ist das eine schwierige Situation“, sagt Stefan Kießling, „ich glaub’, die haben seit zehn Spielen nicht mehr gewonnen.“ So wahnsinnig viele Siege allerdings hat Bayer auch noch nicht zusammengebracht – allerdings letztens zwei (in Mönchengladbach und Bochum), die Skibbe gern als Muster nehmen möchte für die Partie in Franken. Obwohl: „Nürnberg schätze ich stärker ein als die Borussia und der VfL.“


    Weil die Leverkusener gegen die Bayern auf den letzten Drücker verloren haben, „stehen wir wieder unter Druck, um Anschluss zu halten“ (Skibbe). Den Nürnbergern geht es kaum anders. „Denen ist Ähnliches passiert wie uns. Nach gutem Start sind sie ins Schlingern gekommen“, erklärt Skibbe. Da treffen sich also zwei, die der Stillstand vereint.


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