erstellt am: 20.11.2006
VON UDO BONNEKOH
(RP) Leverkusens Truppe ist zu oft auf der falschen Spur unterwegs, um sich in Nürnberg wenigstens einen Punkt zu sichern. Jörg Butt macht sich nach seinem Fehler aus dem Staub.
Der Reporter vom Westdeutschen Rundfunk wirkte leicht verdattert mit seinem blauen Mikrofon, in das er Jörg Butt hatte sprechen lassen wollen. Ein Wort zur Szene vielleicht, in der Bayer Leverkusens Torwart unmotiviert den Kreidestrich zwischen den Pfosten verlassen hatte und ausgerutscht war mit der Folge, dass Nürnbergs Saenko den Ball leicht einschießen konnte zum Nürnberger Sieg? Butt schnaubte nur, verwies verkniffen auf seine rettenden Taten zuvor und machte sich flugs aus dem Staub. Das sind keine guten Tage für den Routinier – erst der haltbare Ball gegen München, jetzt der entscheidende Patzer im Frankenland, der ins Auge und ins Herz sticht.
Die Leverkusener freilich sind allesamt zu oft auf der falschen Spur unterwegs, um ohne laufende Unfälle an Ort und Stelle zu gelangen. „Anstatt nur 30 Meter stehen wir 70 Meter auseinander“, erklärte Ahmed Madouni, „und in Nürnberg waren wir zehn, 15 Minuten überhaupt nicht im Spiel.“ Und trotzdem fand Mannschaftsführer Carsten Ramelow, dass „du hier wenigstens einen Punkt mitnehmen musst“. Das gelang nicht, weil die gemeinsame Anstrengung fehlt, das ehrgeizige, willensstarke, stets wirksame Streben des Kollektivs.
Die Führung ging schnell perdu, weil der von Barbarez nicht ernsthaft verfolgte Saenko, Schroth und Schütze Vittek im Raum vor Butt unbehelligt machen konnten, was sie wollten. Bei Saenkos Pfostenschuss vorm 2:1 von Schroth lief das kaum anders, wobei die Leverkusener leicht klagen durften über die nicht stimmige Interpretation des Schiedsrichters von passivem Abseits. Beschweren durfte sich in der Folge allerdings Nürnbergs Trainer Hans Meyer, dass seine munter angreifenden Kräfte Schroth, Kristiansen und auch Glauber gegen die läppisch kickenden Leverkusener die Führung der Franken nicht uneinholbar ausbauten.
„Defensive ist nicht nur eine Aufgabe der Abwehr“, dozierte Madouni in Übereinstimmung mit Chef Skibbe, „das ist auch eine Frage des Mittelfelds.“ Die mittlere Reihe mit den schwachen Paul Freier, Barbarez und Tranquillo Barnetta aber machte nichts Nennenswertes nach hinten und nichts Erhellendes nach vorn.
„Wir müssen auch berücksichtigen, dass hinten rechts und links zwei 18-Jährige spielen“, erläuterte Skibbe, wobei Pirmin Schwegler und Gonzalo Castro weder positiv noch über die Maßen negativ auffielen. Die Folge: Einen Wall wussten die Leverkusener zu ihrer Verteidigung nicht aufzubauen und auch keine Abteilung Attacke. Andrej Voronin zeigte zwei, drei Freistöße als Arbeitsleistung vor, und für Stefan Kießling galt auch am Samstag, dass er von der Hoffnung auf eine große Zukunft lebt.