Bayer-Trainer Skibbe genervt wie nie zuvor

  • VON CHRISTIAN OEYNHAUSEN, 22.11.06, 21:08h


    Klubführung zögert nun doch mit der Verlängerung des Trainervertrages.


    Leverkusen - Noch nie in seiner Leverkusener Zeit hat man Michael Skibbe vor einem Spiel so übellaunig erlebt wie am Mittwoch. Selbst die Floskeln zur Vorfreude auf das Uefa-Cup-Spiel gegen Tottenham Hotspur heute Abend (20.30 Uhr, BayArena, ZDF) trug der Trainer mit unbewegter Miene vor. „Eine interessante, schöne, total reizvolle Aufgabe“, sagte Skibbe wie automatisch. Die jüngsten Äußerungen aus der Führungsetage werden Skibbe nicht erheitert haben. Die Vertragsverlängerung sei nun vor der Winterpause doch kein Thema mehr, konnte der Coach lesen, Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser ließ sich mit Gedanken über „Grenzen der Autonomie“ des Trainers zitieren. „Ich kommentiere Dinge nicht, die nicht direkt an mich herangetragen wurden“, sagte Skibbe.


    In einem recht angeschlagenen Zustand erwartet Leverkusen also heute in der BayArena (20.30 Uhr) den Tabellen-12. der englischen Premier League, aus dessen umfangreichem Kader Namen wie Nationaltorwart Paul Robinson, der niederländische Defensiv-Arbeiter Edgar Davids und Stürmer Robbie Keane hierzulande am geläufigsten sind - neben dem von Dimitar Berbatow, der im Sommer für 15,7 Millionen Euro von Leverkusen zu den Engländern wechselte.


    Der bulgarische Angreifer hat einen schwierigen Start in England. Erst ein Tor gelang ihm in neun Ligaspielen, dafür stehen aber schon drei Treffer in zwei Partien im Uefa-Cup auf seinem Konto, so dass Berbatow großen Anteil daran hat, dass Tottenham mit zwei Siegen aus zwei Spielen die Gruppe B anführt. „Es ist schwierig für mich. Das Spiel ist viel intensiver und schneller als in der Bundesliga. Ich muss mich verbessern und ein paar Dinge ändern“, sagt Berbatow. Sein Trainer Dick Jol hat seinem Neueinkauf sechs Monate Zeit zur Eingewöhnung gegeben. „Im Uefa-Cup war er großartig, in der Liga kann er sich steigern“, sagt der Niederländer.


    Die Verbindungen nach Leverkusen sind nach fünf Jahren im Klub noch nicht abgerissen, Bayer-04-Physiotherapeut Dieter Trzolek versorgt den Stürmer immer noch mit Vitaminpräparaten. Dankbarkeit kann Leverkusen natürlich von Berbatow nicht mehr erwarten: „Die Freundschaft muss ruhen, Ich bin Profi, und ich will hier treffen. Das ist mein Job“, sagt Berbatow, der im zweiten Jahr in Folge im Uefa-Cup auf einen Ex-Klub trifft. Mit Bayer 04 gegen ZSKA Sofia im Vorjahr wurde er ein Opfer des Drucks, den er sich selbst machte und schied nach zwei schwachen Auftritten mit Bayer aus. Bald darauf wurde Skibbe sein Trainer.


    Bayer 04 Leverkusen: Butt - Schwegler, Madouni, Juan, Castro - Ramelow, Barbarez - Schneider (Freier), Barnetta - Kießling, Woronin. - Tottenham Hotspur: Robinson - Young-Pyo Lee, Dawson, King, Assou-Ekotto - Ghaly, Zokora, Huddlestone, Murphy (Davids) - Keane (Defoe), Berbatow. - Schieds richter: Hansson (Schweden).

    http://www.ksta.de/jks/artikel.jsp?id=1162473082434