Leverkusen: Völler vor dem Spiel gegen Tottenham
Heute Abend empfängt Leverkusen in der Gruppenphase des UEFA-Cups Tottenham Hotspur und braucht dabei in der BayArena dringend ein Erfolgserlebnis. Im kicker-Interview äußert sich Sportdirektor Rudi Völler über die Lage in Leverkusen, über die Arbeit von Trainer Michael Skibbe und die Probleme der Werkself, die nach 13 Spieltagen in der Bundesliga nur auf Rang zwölf liegt.
kicker: Herr Völler, zuletzt drei Heimspiele in Folge nicht gewonnen, jetzt kommen nacheinander Tottenham und Cottbus. Droht Bayer ein stürmischer Herbst?
Rudi Völler (46): Wir sind gefordert, jetzt müssen die Fetzen fliegen. Tottenham und Cottbus, das sind Schlüsselspiele. Jetzt müssen wir verloren gegangenen Boden wieder zurückgewinnen. Nichts anderes zählt.
kicker: Klingt nach Durchhalteparolen. Sie sagen dies nicht zum ersten Mal in
Völler: Das weiß ich selbst. Das verrückte an unserer Situation ist doch, dass trotz allem nichts verloren ist. Im UEFA-Cup sowieso nicht, da haben wir einen Auswärtspunkt geholt, aber auch in der Liga können wir den Anschluss noch packen. Dass wir dazu Spiele gewinnen müssen, ist jedem klar.
kicker: Wankelmütigkeit der Mannschaft und Formverfall einzelner Spieler lassen daran zweifeln.
Völler: Was glauben Sie, wie sehr uns dieses Auf und Ab beschäftigt. Nach Siegen in Mönchengladbach und Bochum denkst du ja, jetzt sind sie so weit. Und dann kommen wieder Niederlagen wie gegen die Bayern oder in Nürnberg, wo in den letzten Minuten alles schief läuft.
kicker: Verantwortlich ist der Trainer. Trauen Sie ihm zu, die nötigen Zeichen zu setzen?
Völler: Das wird er machen, davon sind wir alle überzeugt. Er sieht ja, wer in Form ist und wer durchhängt.
Wir sind zufrieden mit seiner Arbeit, hochzufrieden sogar. Rudi Völler, Sportdirektor von Bayer Leverkusen über Trainer Michael Skibbe
kicker: Die Geschäftsführung kündigte eine baldige Vertragsverlängerung mit dem Trainer an, in der Öffentlichkeit steht Skibbe in der Kritik. Wohin neigt sich die Waage?
Völler: Wir sind zufrieden mit seiner Arbeit, hochzufrieden sogar. Sein Verhältnis zur Mannschaft stimmt ebenso wie seine Einschätzung der Situation. Er wird die Kurve kriegen, davon sind wir überzeugt. Und er ist der beste Mann, um unseren Weg zu gehen mit jungen Spielern, die um ein Korsett herum reifen können.
kicker: Carsten Ramelow, eine dieser Korsettstangen, sprach vom Abstiegskampf. Übertreibt er?
Völler: Nochmal: Was wir abgeliefert haben, ist unterer Durchschnitt. Aber das kann noch korrigiert werden. Wir nehmen nichts auf die leichte Schulter und sind stark genug, dahin zu kommen, wo wir hin wollen.
kicker: Und wenn es nicht klappt?
Völler: Dann müssen wir da auch durch.
kicker: Tottenham, der Gegner von heute, hat ähnliche Probleme. Tröstet das?
Völler: Nein. Aber klar, die wollten auch mehr. Vergangene Saison sind sie knapp an der Champions-League-Qualifikation gescheitert, jetzt sind sie Tabellenzwölfter. Aber sie haben immerhin schon zwei UEFA-Cup-Spiele gewonnen. Und was man nicht vergessen darf: Vor dieser Saison haben sie für knapp 16 Millionen Euro Dimitar Berbatov gekauft. Den hätten wir gerne gehalten. Es ging nicht.
Interview: Frank Lußem
23.11.2006, 10:13
(steht zwar schon im Völler-Thread, trotzdem noch mal hier rein)