Weiche Welle vor dem Ringkampf

  • VON DIRK MESCH, 24.11.06, 21:24h


    LEVERKUSEN. Jörg Butt ist grundsätzlich ein ruhiger Mensch. Gelegentlich aber sieht man dem Torwächter von Bayer 04 Leverkusen dessen emotionale Befindlichkeit nach einem Fußballspiel schon auf 15 Meter Entfernung problemlos an. Stapfende Schritte, den Blick gerichtet in einen Raum weit jenseits der Wirklichkeit, und wäre er eine Dampflok, er würde Druck ablassen mit einem schrillen Pfeifton, der in den Ohren schmerzt. In etwa dieser Verfassung stürmte der Herr Butt nach dem mit 0:1 (0:1) gegen Tottenham Hotspur verlorenen Uefa-Cup-Heimspiel am Donnerstagabend in die Kabine. Als ihm dabei sein Trainer Michael Skibbe in die Quere kam, zischte Butt noch wutentbrannt ein Wort aus dem Fäkalienbereich der Sprache - dann war er weg.


    Dieses „Sch...“-Wort wäre Skibbe öffentlich niemals über die Lippen gekommen. Der Mann ist wohl erzogen, eloquent und immer Herr seiner selbst. Was man gelegentlich aber auch bedauern kann. Denn nach der Leistung seiner Mannschaft gegen die „Spurs“ mag sich zumindest ein dem Leverkusener Fußball-Club zugeneigter Fan nur ungern vorstellen, wie der Coach seinen Spielern wohlerzogen, eloquent und beherrscht die Meinung geigt. Ein ordentlicher Anschiss täts ja auch mal.


    Weil Skibbe das Rustikale aber nun mal nicht liegt, ging es auch nach dem Tottenham-Match und vor dem sonntäglichen Bundesligaspiel gegen Energie Cottbus (18 Uhr) wieder nachsichtig und gesittet zu. Eine Kombination aus Einzelgesprächen und Mannschaftssitzungen soll die schon vielfach beschworene Wende zum Guten bringen. Richtig knallen wird es dabei wohl kaum. „Die Spieler sollen so unbelastet wie möglich gegen Cottbus auf den Rasen gehen“, sagte Skibbe. Immerhin ließ Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser verlauten, dass „das Klima intern rauer“ werde. Man darf gespannt sein, was diese erschreckende Ansage bedeuten mag.


    Die Bayer-Profis hatten sich gegen die Briten - „keine Übermannschaft“, wie Sportdirektor Rudi Völler befand - so hilflos angestellt (siehe auch Artikel unten), dass man sich fragen muss, wie nun gegen die kampferprobten Lausitzer die nötigen Bundesligapunkte geholt werden sollen, „um nicht in den Abstiegskampf zu geraten“. So formulierte es Skibbe, Bayers Coach sieht sich und sein Team folglich immer noch nicht in selbigem, was bemerkenswert ist. Ebenso wie dessen Überzeugung, das Ziel, erneut einen Europapokalplatz zu erreichen, nicht revidieren zu müssen. „Nein“ antwortete Skibbe auf eine entsprechende Frage.


    Voraussetzung dafür ist ein Sieg gegen Cottbus, „niederringen“ will man den Aufsteiger. Nicht tun wird dies definitiv Tranquillo Barnetta. Der Schweizer erlitt gegen Tottenham eine Fußprellung. Wieder im Kader ist Marko Babic nach überstandener Wadenzerrung.


    Die möglichen Aufstellungen: Leverkusen: Butt; Schwegler, Madouni, Juan, Castro; Ramelow, Rolfes; Freier, Schneider; Barbarez; Voronin. - Cottbus: Piplica; da Silva, McKenna, Mitreski, Ziebig; Rost, Kukielka; Radu, Shao, Munteanu; Kioyo. - SR.: Stark (Ergolding).

    http://www.rundschau-online.de…ikel.jsp?id=1162484285415