VON STEPHAN KLEMM, 26.11.06, 19:53h, AKTUALISIERT 26.11.06, 20:33h
Leverkusen - Bayer 04 Leverkusen hat seine Talfahrt in der Bundesliga gestoppt. Die Mannschaft von Trainer Michael Skibbe bezwang am Sonntag in der BayArena Energie Cottbus mit 3:1 (1:0) und startete damit erfolgreich in die wichtige Woche mit dem Uefa-Cup-Spiel in Bukarest am Mittwoch.
Skibbe musste vor dem Spiel kurzfristig auf seinen Kapitän Carsten Ramelow verzichten, der wegen einer Knöchelverletzung verletzt ausfiel. Neu ins Team rutschte dafür der bisher von Skibbe nahezu ignorierte Brasilianer Athirson, der auf der linken Außenbahn eingesetzt wurde. Hinter Athirson kehrte Marko Babic ins Team zurück, er wurde für den verletzten Tranquillo Barnetta aufgeboten.
Diese Form der Blutauffrischung tat Bayer 04 zunächst sichtlich gut, von Beginn an spürte man erstmals seit langer Zeit wieder eine gewisse Lust am Spiel, an Bewegung und Kombinationen. Vor allem Manndecker Juan sorgte dafür, dass erstens hinten wenig passierte, und zweitens der Spielaufbau aus der Defensive heraus vernünftig funktionierte. Chancen gab es auch - eine Athirson-Flanke verpasste allerdings Ahmed Madouni (3.), ehe niemand etwas mit einer reichlich ansehnlichen Flanke von Rechtsverteidiger Gonzalo Castro anzufangen wusste (8.). Kurz zuvor meldete sich auch Cottbus als Teilnehmer des Spiels: Shaos gewaltiger Schuss wurde von Bayer-Torhüter Hans-Jörg Butt abgeblockt.
Die verdiente Leverkusener Führung entsprang letztlich einem Anfängerfehler. Die aufgerückten Cottbuser verloren den Ball im Anschluss an eine eigene Ecke, über Juan, Paul Freier, Andrej Woronin und Sergej Barbarez auf der rechten Seite gelangte das Spielgerät zurück zu Freier, der im Strafraum perfekt auf Barbarez ablegte. Dessen Rechtsschuss aus gut 16 Metern war unhaltbar (19.). Trotzdem verblüfften die genussentwöhnten Bayer-Fans just danach mit der Forderung: „Holzhäuser raus“. Der Bayer-Geschäftsführer wiederum geht mit dieser populistischen Abneigung locker um: „Man ruft Holzhäuser und meint Bayer.“
Nach der Führung setzten die Gastgeber nicht mehr so konsequent nach, auch nach der Pause nicht. Der Ausgleich fiel auf ähnliche Art wie das 1:0 - durch ein Kontertor.
Nach einem Woronin-Schuss kam der Abpraller über Gäste-Torwart Piplica zu Vlad Munteanu, dessen Solo auch der in dieser Situation unglückliche Bernd Schneider nicht stoppen konnte, weil er in der entscheidenden Situation ausrutschte: 1:1 (51.). Die Folge war zunächst und völlig verständlich der übliche Dreiklang aus Erschrecken, Verunsicherung, Blockade.
Trotzdem stemmte sich Leverkusen vehement gegen die drohende Punkteteilung und entdeckte dann doch noch eine Tugend, die gerne mal hilft, wenn immer weniger funktioniert: kämpfen. Eine Eigenschaft, die sich ganz gut vertrug mit einer gewissen optischen Überlegenheit, die etwa Freier mit einem hübschen Linksschuss dokumentierte, der nur knapp übers Tor flog (60.). Sechs Minuten später nutzte Simon Rolfes eine verunglückte Castro-Flanke, die unverhofft vor seinem starken linken Fuß landete, zu einem fulminanten Schuss, der sich entschloss im Winkel einzuschlagen.
Dieses Tor wirkte befreiend. Gegen die unkontrolliert nach vorn drängenden Gäste ergaben sich gute Kontergelegenheiten - eine davon nutzte Andrej Woronin nach Vorarbeit von Sergej Barbarez in der 80. Minute zur Entscheidung.
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