VON DIRK MESCH, 27.11.06, 21:53h
LEVERKUSEN. Die Mannschaft, die am Ende als verdienter Verlierer den Rasen der BayArena verließ, sah in ihrem grell-orangenen Outfit fast so aus so aus wie der große FC Barcelona, wenn er in fremden Stadien seine viel bewunderte Fußball-Kunst vollführt. Vielleicht lag es ja daran, dass in den Stellungnahmen der Sieger am Sonntagabend ein bisschen sehr dick aufgetragen wurde.
Bayer-Sportdirektor Rudi Völler beispielsweise verwendete nach dem Leverkusener 3:1 (1:0)-Sieg gegen Energie Cottbus etwas vorschnell das Wort „sensationell“, Trainer Michael Skibbe hatte gegen den Bundesliga-Aufsteiger „eine tolle Reaktion“ auf das blamable Tottenham-Spiel gesehen und fliegt heute „erhobenen Hauptes“ zum morgigen Uefa-Cup-Match bei Dinamo Bukarest (20.45 Uhr / live im DSF). Es war an Petrik Sander, die Jubelarien der Glückseligen zu relativieren: „Wer sind wir denn in der Bundesliga?“, fragte der Energie-Trainer vielsagend: „Ein Aufsteiger, der nichts anderes tut als gegen den Abstieg zu kämpfen.“
„Nicht mehr diesen fürchterlichen Druck“
Die Leverkusener Reaktionen auf den zugegeben mit Traumtoren von Sergej Barbarez (19.), Simon Rolfes (66.) und Andrey Voronin (79.) besiegelten Erfolg waren deshalb so euphorisch, weil die Verantwortungsträger die Partie im Vorfeld bewusst hoch hängten. Von der „Bedeutung eines Champions-League-Finales“ hatte Völler gesprochen um klarzustellen, „dass wir ohne Sieg ganz unten festgesessen hätten. Diesen fürchterlichen Druck haben wir jetzt nicht mehr.“ Auch Skibbe war nach den drei Punkten erleichtert, „nicht in die Spirale hinein geraten zu sein, in der andere Mannschaften sind“ - schöne Grüße an den Hamburger SV.
Bei den Hanseaten bröckelt nach nur einem Sieg (in Leverkusen) in 22 Pflichtspielen die Unterstützung der Fans für den doch so geliebten Trainer Thomas Doll inzwischen auch. In Leverkusen hatte sich Skibbe während des Tottenham-Spiels wie Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser noch am Sonntag erregte „Raus-Rufe“ anhören müssen. Die Mannschaft, die gegen die Briten mit Pfiffen bedacht worden war, ließ sich deshalb vor zwei Tagen zu einem „Revanchefoul“ hinreißen. Nach dem Schlusspfiff marschierten die beleidigten Profis ohne den obligatorischen Gruß zu den Fans in die Kabine. „Wir fanden es nicht gut, wie sie uns am Donnerstag behandelt haben“, erklärte Rolfes die Trotzreaktion. Nur gut, dass wenigstens Völler, der gleichfalls Kritik an der rot-schwarzen Fangemeinde geübt hatte, am Sonntag auf Schmusekurs ging: „Kompliment an die Zuschauer. Sie haben uns diesmal toll unterstützt.“
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