Im Tiefgefühl

  • VON RALPH ELSEN


    (RP) Die Leverkusener leckten gestern ihre Wunden nach der Pleite in Bukarest. Simon Rolfes hält die Mannschaft vor dem morgigen Bundesliga-Duell in Bielefeld dennoch für lernfähig.


    Die Spieler stocherten beim mitternächtlichen Dinner eher lustlos auf ihren Tellern herum und verschwanden danach hurtig auf den Zimmern im feinen Mariott-Hotel in Bukarest. Gesprochen wurde kaum, Mienen und Münder blieben in der Mehrheit verschlossen, auch wenn von einer Henkersmahlzeit nicht die Rede sein konnte nach dem 1:2 der Leverkusener Fußball-Profis bei Dinamo Bukarest. Doch obwohl der Misserfolg in Rumänien noch nicht das Ende der internationalen Ambitionen Bayers bedeuten muss, war es weit mehr als nur eine banale, weitere Niederlage.


    Diese Pleite in einem archaisch anmutenden Stadion ohne jegliche Tribüne hat jedenfalls offenbar auch den stets zu Optimismus aufgelegten Michael Skibbe einiges an Zuversicht gekostet. „Wir wollen jetzt nicht lamentieren“, findet der Trainer, „es sind noch drei Bundesliga-Spiele in diesem Jahr, in denen wir ein paar Punkte holen können. Und natürlich wollen wir auch Istanbul schlagen und weiter kommen im Uefa-Cup.“ Nach diesen Worten legte Skibbe eine kleine Pause ein und fügte dann hinzu: „Aber alles in allem wird das sehr schwer.“


    Alles in allem sehr schlecht fühlte sich auch Simon Rolfes nach der Niederlage, die in ihrer Art und auch von der Umgebung her ziemlich an das trostlose Aus im Vorjahr in Sofia erinnerte. „Wenn wir bis zur Pause unsere Führung halten, glaube ich nicht, dass Dinamo das Ding noch gedreht hätte. Aber nachher haben wir die Bälle nur noch raus geschlagen und viel zu passiv agiert“, sagte Bayers defensiver Mann im Mittelfeld. Was die Wertigkeit des 1:2 angeht, verstieg sich der Blondschopf, der eigentlich als reflektierender Geist bekannt ist, aber zu einer sehr gewagten Interpretation: „Selbst bei einem Sieg in Bukarest hätten wir gegen Istanbul noch einen Punkt gebraucht. Aber auf Unentschieden können wir ja sowieso nicht spielen.“ Aus einer solchen Sicht der Dinge spricht dann schon eine gewisse Schmerzfreiheit.


    Personelle Entspannung ist nicht zu erwarten bei den Leverkusenern. In Bielefeld werden die Mittelfeldspieler Carsten Ramelow und Tranquillo Barnetta auf jeden Fall weiter fehlen. Dazu droht auch der Ausfall von Linksverteidiger Marko Babic, der in Bukarest wegen einer Verletzung am Sprunggelenk ausgewechselt wurde.


    Im Tiefgefühl des ausbleibenden Erfolgs müssen sich die angeschlagenen Leverkusener morgen in den östlichen Teil Westfalens begeben, zur Bielefelder Arminia, wo sie in den letzten Jahren ähnlich wie in Mainz immer besonders schlecht ausgesehen haben. „Ich erwarte dort eine aggressive und vor allem kompakt stehende Mannschaft“, sagt Michael Skibbe und meint damit die Seinen und nicht die Arminia, der er bislang „eine prima Runde“ attestiert.


    Simon Rolfes glaubt nicht an eine Wiederholung der kläglichen Auftritte auf der ehemaligen Alm, die mittlerweile neudeutsch Schüco-Arena heißt. „Wir haben aus unseren Fehlern in Bukarest gelernt und machen es diesmal besser“, sagt der Ex-Aachener. Das wäre dann mal was völlig Neues bei Bayer.


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