Erfolg der Verunsicherten

  • VON KERSTIN THESING, 10.12.06, 21:36h


    LEVERKUSEN. Wenn es doch immer so einfach wäre. In der letzten Woche hatte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler mit Marko Babic geplaudert. Der Linksfuß hatte zuletzt ein paar Freistöße getreten - ohne Erfolg. „Wir haben diskutiert, weil er die Freistöße immer über die Mauer heben will“, erzählt Völler. Die Diskussion hat offensichtlich gefruchtet. Am Freitag sicherte Marko Babic mit seinem Freistoßtor in der 80. Minute den glücklichen 2:1 (1:1)-Sieg von Bayer 04 Leverkusen gegen Hertha BSC in der 1. Fußball-Bundesliga. „Ich habe den Torwart beobachtet und dann ins lange Eck gezielt“, analysiert Babic.


    „Wir haben wieder Anschluss nach oben“, freut sich Rudi Völler über die Konsequenz der Folgsamkeit seines linken Verteidigers. Unglaublich aber wahr: Trotz einer ganzen Reihe bescheidener Spiele und nur 22 Punkten auf der Habenseite mischt Bayer wieder im Rennen um die Uefa-Cup-Plätze mit. „Das Niveau ist in dieser Saison sehr ausgeglichen. Abgesehen vielleicht von Werder hat jedes Team Probleme, seine Spiele zu gewinnen“, erklärt Skibbe. Sollte seine Mannschaft jetzt noch die „zwei anderen Endspiele“ (Bernd Schneider) gegen Besiktas Istanbul am Donnerstag und bei Borussia Dortmund am Sonntag gewinnen, „kann das zwar unsere schwachen Spiele nicht vergessen machen“, so Skibbe, „aber es wäre doch ein versöhnlicher Abschluss der Hinrunde.“


    Am frühen Freitagabend hatte es danach überhaupt nicht ausgesehen. „Die ersten 20 Minuten waren unsere schlechtesten in dieser Saison“, kritisiert Skibbe. Folge der „Verunsicherung“ seiner Spieler war eine fulminante Fehlerkette, die im 1:0 (22.) des Berliners Marko Pantelic gipfelte. Dass sich Skibbe am Ende doch noch freuen durfte, hatte mit der Tatsache zu tun, dass es „meinen Spielern endlich einmal gelang, eine Partie noch zu drehen“. Paul Freier hatte nach einem Fehler von Malik Fathi den Ausgleich (33.) erzielt. Berlins Nationalspieler Arne Friedrich fasste die zweite Hälfte dann mit den Worten „wir sind herumgelaufen wie ein Hühnerhaufen“ zusammen. Ganz so schlimm war es zwar nicht, aber Hertha verpasste Bayer doch eine gute Portion Selbstvertrauen.


    Wieviel davon am Donnerstag im entscheidenden letzten Uefa-Cup-Gruppenspiel gegen Besiktas übrig sein wird, bleibt abzuwarten. Zu oft folgte in dieser Saison schon eine ganz schwache Leistung auf einen Sieg. „Wir sind noch nicht so gefestigt, als dass wir aus diesem Sieg zu viel rausziehen könnten“, sagt Skibbe. Ungefestigt präsentieren sich in diesen Tagen auch seine Angreifer Stefan Kießling und Andrey Voronin. Um Letzteren hatte es zuletzt Wechselgerüchte gegeben. „Ein Abgang in der Winterpause ist kein Thema“, wiegelt Völler ab.


    Ob der Stürmer, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, auch in Zukunft für Bayer spielt, ist noch unklar. „Ich erwarte, dass ein entsprechendes Signal von ihm kommt“, sagt Völler, „und zwar auf dem Platz.“ Und Skibbe ergänzt: „Gerade die Spieler, deren Verträge auslaufen, müssen erkennen, dass es bei Bayer nur gutes Geld zu verdienen gibt, wenn wir gut in der Spur sind.“

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