VON UDO BONNEKOH
(RP) Die Leverkusener Profis genossen nach dem 2:1 gegen Besiktas die Sympathien, die ihnen entgegen schlugen. Stefan Kießling wurde zum Animateur. Rudi Völler und Michael Skibbe erinnern an die Aufgabe morgen in Dortmund.
Wer soll denn das glauben, dass da mal ernsthafte atmosphärische Störungen geherrscht haben zwischen Publikum und Mannschaft? Kann doch gar nicht sein. Ein starkes Band des Friedens und der Freude schien an diesem Donnerstagabend vom Rasen auf die Tribüne gespannt, absolut reißfest. Und als zu späterer Stunde noch Stefan Kießling aus dem Kreis der Mannschaft von den seligen Fans auf den Zaun gebeten wurde, um den Animateur zu mimen für die rituellen Gesänge, angefangen vom Humba, Humba bis zur Verhöhnung des darbenden Nachbarn mit dem Dom in der Stadt, da geriet die Aufführung arg in die Nähe eines Rührstücks. Lauter große Kuschelbären saßen da vorm Nord-Rang auf dem Hintern und genossen die Sympathien, die ihnen nach dem 2:1 gegen Besiktas entgegen schlugen.
Dass ausgerechnet Stefan Kießling auserkoren wurde zum Zeremonienmeister, hatte eine kleine Geschichte von Viertel-Stunde-Länge. „Der Stefan hat dazu beigetragen, dass wir überhaupt gewonnen haben“, sagte Michael Skibbe im Rückblick und meinte das ernst („die erste Aktion von ihm war immer gut, die zweite eher weniger“). Den Freistoß vorm Elfmeter habe der Franke herausgeholt, den Kopf auch noch gereckt, ehe Juan niedersank nach dem Körperkontakt mit einem kahlköpfigen Türken. Und das 2:0 gehe zum Teil auch auf Kießlings Konto, weil Sergej Barbarez den Ball schließlich habe nur noch einschieben müssen.
Kießling selbst muss das alles ein bisschen anders gesehen haben. Denn nach dem Abpfiff hatte er offenbar vor lauter Scham flüchten wollen wegen der enormen Streuung bei seinen abenteuerlich missratenen Schuss- und Flanken-versuchen. Trainer und Kollegen führten den Schlaks schließlich in die feiernde Familie zurück. Die Fans mochten sich da nicht abweisend verhalten. Alle hatten sich lieb.
Gestern Mittag aber hat vor allem Rudi Völler die ausgelassene Belegschaft noch mal intensiv daran erinnert, dass noch was zu tun bleibt am Sonntag bei einer Borussia, die auf wackligen Füßen zu stehen scheint. Unmittelbar nach der Auslosung im Uefa-Cup („Blackburn ist eine Mannschaft von der Insel, und was von da kommt, ist immer top“) sagte der Leverkusener Sportdirektor, dass ihn die Rovers derzeit keinen Deut interessieren. „Ich konzentriere mich auf Dortmund“, meinte Völler mit dem unausgesprochenen Auftrag an die Mannschaft, dort bei der Borussia die Reparaturarbeiten an einer noch absolut durchwachsenen Hinrunde fortzusetzen.
Michael Skibbe sieht das natürlich nicht anders und will die Mannschaft vom Donnerstag stellen. Mit Kießling in der Hinterhand.
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Viele Bekannte bei Rovers
(RP) Rudi Völler hatte sich schnell schlau gemacht, wo Bayers nächster Uefa-Cup-Gegner Blackburn zu Hause ist. „In der Nähe von Manchester liegt das“, sagte Leverkusens Sportdirektor. Co-Trainer Peter Hermann war kürzlich erst da bei der Beobachtung von Tottenham gegen die Rovers. Und Hermann konnte so auch flugs Auskunft geben, dass in dem vom Ex-München-Profi Mark Hughes trainierten Team ein paar Bekannte stehen. Aaron Mokoena zum Beispiel, ein Südafrikaner, der mal kurz bei Bayer war, ehe der in einer Nacht- und Nebelaktion zu einem anderen Klub (gegen Ablöse) verschwand. Brad Friedel steht bei den Rovers zwischen den Pfosten, der Schweizer Henchoz ist ebenso unter Vertrag wie der Franzose Nonda (vorher AS Rom und auch mal auf Völlers Wunschliste für Bayer). „Die bekannteren Namen von denen kannst du auch unseren Leuten eher näherbringen“, erklärte Trainer Skibbe, der natürlich aufs Achtelfinale hofft (dort gegen den Sieger aus Lens/Parma).