VON UDO BONNEKOHet
(RP) Die Leverkusener gingen bester Stimmung vom Platz nach dem Sieg in Dortmund. Juan und Butt ragten heraus. Kießling machte seinen Treffer ganz ohne wacklige Knie.
Da gab es überhaupt kein Halten mehr. Alle noch einigermaßen beweglichen Leverkusener machten sich sofort nach dem Schlusspfiff schnurstracks auf den Weg zu denen, die das 2:1 Bayers in Dortmund unmittelbar auf dem Rasen beinahe ekstatisch feierten. Den flotten Anführer der Gratulantenschar von draußen machte Sportdirektor Rudi Völler, der alle Mann der Reihe nach an seine breite Brust nahm. In gebührendem Abstand folgten Trainer Michael Skibbe und sein Assistent Peter Hermann, die sämtliche ihrer Untergebenen ohne Ansehen der Person von Herzen drückten.
Gar nicht lange vorher hatte sich bereits eine von Emotionalität geprägte Szene abgespielt: Wie auf Kommando standen die Leute von der Leverkusener Bank auf und zeigten synchron mit erhobenen Fingern in die Richtung, in der Stefan Kießling stand als ein in dem Augenblick überglücklicher Mensch. Zum zweiten Mal in dieser Saison getroffen, und das völlig ohne wacklige Knie zum 2:0. „Jetzt“, sagte Kießling, „kann ich beruhigt in Urlaub fahren.“ Bester Stimmung zeigte sich natürlich auch Skibbe, der hinter dem obligatorischen Glas Pils in die Welt strahlte. „Ich bin froh, dass wir in den letzten drei Wochen noch die Kurve gekratzt haben“, sagte der Fußballlehrer, der mit sichtlichem Stolz darauf verwies, „dass wir jetzt sechs Punkte mehr besitzen als am Ende der vergangenen Hinrunde“.
Zehn Zähler aus den vier Begegnungen mit Cottbus, in Bielefeld, mit Hertha und in Dortmund, dazu der Sieg unter der Woche gegen Istanbul – da brauchte man keinen Leverkusener mehr zu fragen, ob er sich müde gefühlt habe. „Wir wollten das hier mit einem Sieg zu Ende bringen. Und deshalb haben wir alle noch eine Schüppe draufgelegt“, betonte Sergej Barbarez, der nur in einer kritischen Phase nach der Halbzeit versucht hatte, als Koordinator aufzutreten und das leicht hektisch gewordene Spiel seiner Kollegen zu kontrollieren. „Da sind wir noch mal mächtig unter Druck geraten“, bekannte Skibbe, „die Dortmunder waren uns besonders bei Standards mit dem langen Amedick überlegen.“ Der groß geratene Vorstopper köpfte das 1:2, das Bangen auslöste bei Bayer, nachdem Gonzalo Castro bereits einen Ball Amedicks auf der Linie abgewehrt hatte. Was aber zählt und Skibbe mit Zuversicht in die Rückrunde blicken lässt: Das Team verriet in Dortmund System und Profil, auch weil es ein paar Spiele lang weitgehend unverändert geblieben war. „Wir sind jetzt in den Tabellenregionen angelangt, in denen wir uns wohl fühlen“, erklärte der Bayer-Trainer, der sich auf einen ganz starken Butt und einen famosen Juan stützen konnte.