Die Nacht der Kölner Häuser

  • VON STEPHAN KLEMM, 18.12.06, 19:52h, AKTUALISIERT 18.12.06, 19:53h


    Bayer 04 gewinnt plötzlich in Serie, Stefan Kießling trifft, und Michael Skibbes Vertrag wird verlängert.


    Dortmund / Leverkusen - Es kann sein, dass es Michael Skibbe heute nicht so gut geht. Gestern zumindest hatte der Trainer von Bayer 04 Leverkusen noch einen Termin, bei dem es darum ging, möglichst lange durchzuhalten, das hat er bereits am Sonntagabend angekündigt: „Wir werden am Montagabend mit der sportlichen Leitung in Köln ein bisschen um die Häuser ziehen.“ Erlauben kann sich Skibbe diese wie auch immer geendete vorweihnachtliche Feier natürlich auf jeden Fall, sie ist in Bezug auf die Vereinsräson sogar politisch korrekt. Denn er spürt, wie schnell sich der Wind dreht. Was vor ein paar Wochen noch schlecht war in seinem Team und im gesamten Gefüge, was einfach nicht funktionieren wollte, lässt sich nun zu seinen Gunsten auch andersherum betrachten: Nimmt man den Uefa-Pokal hinzu, hat Bayer 04 seit fünf Spielen nicht mehr verloren. Von diesen Partien hat das Team sogar die letzten drei in Serie gewonnen, unter anderem am Sonntag mit 2:1 in Dortmund, was das Job-Ende von Skibbes Nach-Nach-Nach-Nachfolgers Bert van Marwijk als Trainer der Borussia bedeutete.


    Doch das soll nicht Skibbes Sorge sein, er hat trotz aller am Ende doch noch positiven Bilanzen genug mit seiner Mannschaft zu tun. Vor allem möchte er es in der Winterpause schaffen, „dass wir unser Passspiel beruhigen, wenn wir führen. Dann müssen wir es uns nicht immer so schwer machen.“ In Dortmund war Leverkusen klar überlegen und hätte eine 2:0-Führung durch Andrej Woronin und Stefan Kießling in den letzten fünf Minuten doch noch fast verspielt. Zugelassen hat man am Ende allerdings nur ein Gegentor, aber: „Dieses Zittern muss nicht sein“, findet Skibbe.


    Die Wende zum Ende der Hinserie ist für Skibbe eine nur gerechte Laune des Schicksals; ein Schicksal, dass laut Bayer-Coach am Anfang einfach gegen seine Elf war: „Damals haben wir sehr häufig den Pfosten oder die Latte getroffen. Jetzt passiert das unseren Gegnern gegen uns.“ Denn ja: „Unsere kleine Serie hat auch mit Glück zu tun.“ Mit der Folge allerdings, dass alle Spieler „mit Erfolgserlebnissen gleich selbstsicherer werden“.


    Diese Eigenschaft wünscht Skibbe niemandem mehr als seinem gedachten, bisher aber nicht funktionierenden Torjäger Kießling. „Ich hoffe, wir kriegen ihn jetzt gut durch die Pause, und dann wollen wir mit ihm so weit sein, dass er so was wie in Dortmund ruhig mal häufiger macht“, sagt Skibbe und meint: ein Tor schießen, was ihm bisher erst zweimal gelang. Kießling selbst ist nun der wohl glücklichste Mensch im Bayer-04-Kosmos: „Jetzt kann ich beruhigt in den Urlaub fahren.“


    Das wird auch ein Privileg von Skibbe sein, denn der Sprung auf Rang sechs eröffnet nicht nur seinem Klub Perspektiven, sondern auch ihm. Sein Vertrag läuft am Ende der Saison aus. Eine Verlängerung soll nun im Trainingslager besprochen werden, das Bayer 04 Anfang Januar in Rom beziehen wird. Tendenz: Alles andere als eine Verlängerung ist ausgeschlossen.

    http://www.ksta.de/jks/artikel.jsp?id=1162473191781