„Das Glück ist zurück“ - Interview Skibbe

  • (RP) Personelle Veränderungen wird es nach Michael Skibbes Feststellung bei Bayer in der Winterpause nicht geben. Der Fußball-Lehrer ist „sehr gerne Trainer in Leverkusen und möchte das auch sehr gerne bleiben“.


    Mit zehn Punkten aus den jüngsten vier Bundesliga-Partien und einem Sieg gegen Besiktas Istanbul. der den Vorstoß in die Runde der letzten 32 Vereine im Uefa-Cup bedeutete, haben Bayers Fußballer in den vergangenen drei Wochen starke Arbeitsnachweise geliefert. Am 4. Januar nimmt der Leverkusener Trainer mit der Mannschaft die Vorbereitungen auf die Rückrunde auf. RP-Redakteur Udo Bonnekoh sprach mit Michael Skibbe über Rückschau und Aussicht.


    RP Herr Skibbe, es ist die Zeit der Analysen, Aufrechnungen und Bilanzen. Wie sieht Ihr Fazit aus?


    Skibbe Es hat sehr lange gebraucht, um wieder in die Form zu kommen, die wir zu Saisonbeginn hatten. Dabei haben uns die Abgänge vor allem in der Abwehr von Nowotny und Fritz sowie der Ausfall von Roque Junior doch mehr zugesetzt als uns lieb sein konnte. Mit Engagement und Einstellung war ich zufrieden. Missfallen haben mir die enormen Schwankungen, die nicht von Woche zu Woche aufgetreten sind, sondern sogar innerhalb eines Spiels.


    Die Winterpause bietet auch stets Gelegenheit zu Veränderungen. Sind bei Ihnen personelle Wechsel im Gespräch oder gar beschlossen?


    Skibbe Ich komme gerade aus einer Sitzung, in der wir besprochen haben, ob Veränderung nötig ist. Wir sind übereinstimmend der Meinung, dass wir keinen Zuwachs im Kader benötigen und niemanden mehr abgeben. Wir sind offensiv gut besetzt, schießen viele Tore, wenn es auch mehr sein könnten oder gar müssten. In der Innenverteidigung sind wir mit Juan und Karim Haggui auch gut aufgestellt.


    Es war von einer Rückkehr Sascha Dums aus Aachen schon im Januar die Rede oder von einem Ausleihgeschäft, das Stürmer Michael Papadopulos betroffen hätte.


    Skibbe Es wird weder das eine noch das andere passieren. Wir haben Josip Tadic abgegeben, der keine positive Entwicklung bei uns genommen hat. Was Papadopulos betrifft, werden wir Geduld haben bis zum Sommer. Wir behalten ihn auch deshalb, weil ich hoffe, im nächsten Halbjahr noch viele Spiele zu haben über die 17 in der Bundesliga hinaus. Da denke ich an den Uefa-Cup. Da wachsen Belastung und Verletzungsgefahr.


    Wer ist für Sie der Aufsteiger dieser Saison – vielleicht Athirson, der keine Zukunft in Leverkusen zu haben schien?


    Skibbe Athirson hat in der Tat gut reingefunden. Das ist erfreulich für ihn und die Mannschaft. Insgesamt gilt: Es gab individuelle Auf und Abs wie auch als Mannschaft. Es wäre ungerecht, jemanden hervorzuheben – nicht mal Gonzalo Castro, der ein großes Talent ist, aber auch noch Böcke im Spiel schießt. Es ist viel zu früh, von ihm als dem kommenden Nationalspieler zu sprechen.


    Und der Absteiger – etwa Kießling, der Fünf-Millionen-Mann?


    Skibbe Überhaupt nicht. Der Stefan ist zwar in einer schwierigen Phase, aber ich glaube, dass ihm das Tor in Dortmund zum 2:0 viel an Selbstvertrauen geben wird. 2007 wird für ihn mit Sicherheit viel besser.


    Was hat Sie in der Hinrunde über die Maßen geärgert – womöglich die jüngsten vergebenen Chancen von Andrej Voronin gegen Istanbul und Dortmund, was das Team später noch in erhebliche Schwierigkeiten gebracht hat?


    Skibbe Solche Dinge passieren, dass mal einer den Ball übers Tor haut. Mich interessiert nicht so sehr das Individuelle, sondern mehr, wie sich die Mannschaft verhält. Und es hat mich frustriert, wie wir die Spiele in Frankfurt und in Hannover leichtfertig aus der Hand gegeben haben. Wir sind insgesamt sieben Mal in Führung gegangen und haben oft schnell den Ausgleich bekommen.


    Und was hat Sie besonders erfreut ín der ersten Halbserie?


    Skibbe Dass wir noch die Kurve gekriegt haben in einer nicht guten Hinrunde und dass das Glück zurück ist. Das haben wir in den besseren Spielen, in denen wir nichts geholt haben wie etwa in Bremen, nicht besessen.


    Wie steht es um Ihre Vertragsverlängerung?


    Skibbe Wir werden uns im Trainingslager in Rom darüber unterhalten. Wir haben alle sehr viel Vertrauen zueinander. Ich bin sehr gerne Trainer in Leverkusen und möchte das auch sehr gerne bleiben.


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