Abschied, Aufstieg, Krönung

  • VON RALPH ELSEN


    (RP) Bayers Fußballer legen eine famose Rückrunde bis in den Uefa-Cup hin und überwintern diesmal international. Steffi Nerius macht bei der Leichtathletik-EM ihr Glück. Opladens Handballer schaffen den Sprung in die Regionalliga.


    Der Aufschwung nach übler Zeit der Depression kam ein wenig unerwartet, dafür aber umso nachhaltiger. Weit in der zweiten Tabellenhälfte hatten Leverkusens Fußball-Profis die erste Saisonhälfte 2005 abgeschlossen – mit Besorgnis erregendem Kontakt zum Rotlichtbezirk der Branche. Die Rückrunde brachte aber nach einem beschwerlichen Einstieg – 2:1 nach 0:1 zur Pause gegen Frankfurt – eine schon fast sensationell anmutende Wende. Michael Skibbes bis dahin unangenehm launische Truppe schaffte zehn Siege in der zweiten Serie und holte zwei Zähler mehr in diesem Zeitraum als Meister München. Vor allem das starke Finish mit sechs Siegen und zwei Unentschieden in den letzten acht Spielen, darunter die imponierenden Auswärtserfolge in Stuttgart (2:0), Dortmund (2:1), Hamburg (2:0) und Berlin (5:1) bescherte Bayer als Tabellenfünftem das Mitmach-Recht im Uefa-Cup. Damit hatte eine feine Folge Bestand: Den Leverkusenern gelang in neun der vergangenen zehn Spielzeiten die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb.


    Bayer und Skibbe hatten die Kurve gekratzt – auch und vor allem deshalb, weil der Coach den Seinen in der Rückrunde endlich das passende System auf den Leib schneiderte: mit Viererkette hinten, zwei Sechsern im Mittelfeld und drei offensiven Leuten hinter dem einzigen Stoßstürmer. Der hieß Dimitar Berbatov und spielte die Runde seines Lebens in Leverkusen. Der Bulgare betörte die Liga, machte 15 von 21 Saisontreffern in der Rückrunde und war danach reif für die Insel. Berbo sagte nach sechs Jahren bei Bayer Servus und ging für knapp 16 Millionen Euro nach England zu Tottenham.


    Mit ihm nahm auch Jens Nowotny Abschied, der nach Carsten Ramelow dienstälteste Leverkusener. Der Abwehrmann, nach etlichen Kreuzbandrissen in der Rückrunde noch einmal ein solider Fels in der verteidigenden Formation, machte sich vor seinem Wechsel in die europäische Provinz nach Zagreb aber noch schön die Taschen voll und strich einige Milliönchen Abfindung ein im Zuge eines langen Rechtsstreits mit dem Klub. Danach durfte Nowotny auf seine alten Tage sogar noch mit zur WM, ebenso wie Schneider, Voronin, Barnetta, Babic, Juan, Stenman und völlig überraschend auch der junge A-Junior Touré.


    Berbatov weg, Nowotny nicht mehr da und auch Clemens Fritz nun ein Bremer – da ging für Bayer 04 in der neuen Serie erst mal nicht viel, auch wenn der Auftakt in Form des 3:0-Erfolgs gegen noch nicht in der Liga angekommene Aachener vorschnell Euphorie weckte. Sergej Barbarez und Stefan Kießling, quasi die Nachfolger im Doppelpack für Berbatov, kamen nicht recht aus den Puschen. Der Bosnier nur schwerlich, der Ex-Nürnberger überhaupt nicht. Dazu stand die Defensive nicht stabil und schenkte vielen Gegnern leichte Tore. Die Hamburger etwa wussten gar nicht recht, wie ihnen geschah, als sie in der BayArena gewinnen durften. Das war ihnen zuvor in dieser Saison noch gegen keinen Gegner gelungen. Danach übrigens auch nicht mehr.


    Hinten raus indes fand das Team, das gleich in acht Pflichtspielen eine Führung nicht ins Ziel brachte, noch halbwegs in die Spur. Zehn Punkte aus den vier Begegnungen mit Cottbus, Bielefeld, Berlin und Dortmund führten Bayer auf Platz sechs mit überschaubarem Abstand von zwei Zählern zu Rang fünf. Und international geht es für die Leverkusener im neuen Jahr mit dem Duell gegen die Blackburn Rovers in der Uefa-Cup-Runde der letzten 32 weiter. Ein einziger Sieg gegen Besiktas Istanbul langte zum Weiterkommen nach zuvor einem Remis gegen Brügge und Pleiten gegen Tottenham und Bukarest.


    rp-online