VON DIRK MESCH, 11.01.07, 20:24h, AKTUALISIERT 11.01.07, 20:29h
ROM. Arbeitsessen in Rom sind per se Veranstaltungen mit einem gewissen Reiz. Die kulinarischen Qualitäten der Ewigen Stadt sind außerordentlich. Wer also geschäftlich hier zu tun hat, wird dabei immer auch ganz besondere Gaumenfreuden genießen können. Auch Wolfgang Holzhäuser gilt als Liebhaber der mediterranen Küche, weshalb der Bayer-04-Geschäftsführer einem ganz besonderen Pflichttermin am Rande des Trainingslagers nur zu gern einen speziellen gastronomischen Rahmen gab: Die angekündigten Vertragsverhandlungen mit Sportdirektor Rudi Völler fanden in der „Bottega St. Teodoro“ statt, dem Restaurant von Völlers Schwager im Parlamentsviertel der Hauptstadt.
Die familiäre Atmosphäre war aus Holzhäusers Sicht extrem erfolgsfördernd. Das Aushängeschild sagte endgültig „si“. Statt „sempre Roma“ („für immer Rom“) heißt es nun wohl „sempre Bayer“.
„Dieser Verein - das bin ja auch ein bisschen ich selbst“, formuliert es das Bayer-Aushängeschild, das hier sowohl Spieler, Sportdirektor als auch Trainer war. „Manchmal sogar alles gleichzeitig“, lacht Völler. Höchst zufrieden berichtet Holzhäuser davon, dass „wir uns sehr schnell geeinigt haben. Rudi ist der Kopf, er ist wichtig. Ich werde Aufsichtsrat und Gesellschafterausschuss nächste Woche vorschlagen, Rudis Vertrag über den 30. Juni hinaus zu verlängern.“ Breite Zustimmung ist ihm gewiss.
Aber nicht nur mit dem großen Sympathieträger sind die Dinge glücklich geklärt. Auch Manager Michael Reschke und Trainer Michael Skibbe („Für mich ist es besonders wichtig, dass der Rudi an Bord bleibt“) werden weiter die Geschicke des Clubs mitbestimmen. In Reschkes Fall („Ich bin 27 Jahre im Verein, Bayer ist meine sportliche und emotionale Heimat“) dürfte die „mittelfristig ausgerichtete Vertragslaufzeit“ (Holzhäuser) wie auch bei Völler drei Jahre betragen. „Wenn die sportliche Führung unser Konzept der Umstrukturierungen umsetzen soll, dann muss sie auch langfristig an den Club gebunden werden“, erklärt Holzhäuser, „Rudi und Michael Reschke sind für mich eins. Beim Trainer sieht es natürlich etwas anders. Er ist abhängiger von Ergebnissen. Aber das ist kein Problem für ihn“. Dies bedeutet wohl, dass Skibbes Kontrakt bis 2009 verlängert wird.
Bei aller Wertschätzung für Trainer und Manager bleibt aber der Abschluss mit Völler der wichtigste. Was dessen Selbsteinschätzung nur bestätigt: „Ich weiß natürlich, was ich für eine Bedeutung habe. Ob nun Sportdirektor, Sportchef oder wie sonst man mich nennt - ich habe das letzte Wort im sportlichen Bereich.“
Und da hat der Wortführer, wie er betont im engen Schulterschluss mit Holzhäuser, die langfristigen Ziele eindeutig festgelegt: „Bei allem Spar- und Konsolidierungszwang war für mich wichtig, dass irgendwann der Punkt kommt, an dem man sagt: ,Jetzt ist es aber gut. Es ist ja nicht utopisch, dass wir international mitspielen wollen und können.“ Holzhäuser bestätigt: „Wir liegen mit unserem Etat bei Spielern und Funktionsteam im ersten Drittel der Liga - und dabei wird es bleiben.“
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