VON CHRISTIAN OEYNHAUSEN, 11.01.07, 22:51h
Rom - In der „Bottega St. Teodoro“ in Rom, die Rudi Völlers Schwager gehört, hat Bayer 04 Leverkusen die lang vorbereiteten Personalentscheidungen zum Abschluss gebracht. Am Donnerstag verkündete Bayer-04-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser in Rom: Rudi Völler, der Sportdirektor, wird ebenso in Leverkusen bleiben wie Manager Michael Reschke und Trainer Michael Skibbe. „Wir haben ein Team, das sich versteht. Rudi ist der Kopf“, sagte Holzhäuser über die Troika in der sportlichen Verantwortung des Werksklubs. Es gibt nach Holzhäusers Darstellung drei Varianten der Ausgestaltung der neuen Verträge. Da der Gesellschafterausschuss des Klubs (Klaus Beck, Meinolf Sprink und das kooptierte Mitglied Rainer Meyer) in der kommenden Woche noch zustimmen muss und nicht bevormundet werden soll, versprühte Holzhäuser eine Menge Wortnebel über die Details. Herauszuhören war: Es geht wohl um eine Laufzeit von je drei Jahren für Völler und Reschke, also bis 2010. Trainer Skibbe bekommt einen Vertrag bis Juni 2009. „Kontinuität ist mir wichtig. Aber der Trainer hängt immer etwas mehr an der Entwicklung der Ergebnisse“, sagte Holzhäuser. Eine festgeschriebene Abfindung für Skibbe gebe es nicht. Ansonsten wurde über finanzielle Modalitäten geschwiegen.
Völler (46) war im Winter 2004 / 05 nach Leverkusen zurückgekehrt, wo er vor seiner Zeit als DFB-Teamchef Spieler, Interimstrainer und Sportdirektor war. Trainer Skibbe (41) kam 2005 als Nachfolger von Klaus Augenthaler. Reschke, nun bereits seit 27 Jahren im Verein, rückte nach dem großen Umbruch mit dem Abschied von Reiner Calmund 2004 vom Leiter der Nachwuchsabteilung ins Management vor. Dort ist er der Mann fürs „back office“, wie Holzhäuser schick formuliert. Gemeint ist: Transfers bis zur Entscheidungsreife vorbereiten, am besten in aller Stille.
Insbesondere die Verlängerung mit Völler war seitens des Weltmeisters von 1990 an die Voraussetzung geknüpft, dass Leverkusen in Zukunft genügend Mittel zur Verfügung stehen, um Aussicht auf Teilnahme an internationalen Wettbewerben zu haben. Mit „Das Gefühl: Es geht hier weiter“, umschreibt Völler diese Haltung. Geschäftsführer Holzhäuser konnte dies zusagen. Nach vier Spielzeiten ist der Konsolidierungskurs erfolgreich beendet. „Wir haben den Punkt erreicht, den wir erreichen wollten. Was wir von jetzt an an Transfererlösen erzielen, können wir nutzen, um die Mannschaft zu verstärken. Die Zeit, wo wir Deckungslücken ausgleichen mussten, ist vorbei“, sagte Holzhäuser. Allerdings ist mit dem Verkauf von Dimitar Berbatow nach Tottenham für 15,8 Millionen Euro im Sommer der wertvollste Spieler der letzten Jahre bereits verkauft worden.
Wesentlichen Einfluss auf die Einnahmenseite hat auch die Entscheidung des Energieversorgers RWE über die Zukunft seines Sponsorings. Der nach Schätzungen mit neun Millionen Euro pro Saison dotierte Vertrag läuft im Sommer aus. Ob und in welcher Weise der zurzeit auf der Spielerbrust präsente Konzern bei Bayer 04 weitermacht, hat er noch nicht entschieden. „RWE passt gut zu uns. Es gibt deutliche Anzeichen, dass sie weitermachen, in welcher Form auch immer“, warb Holzhäuser und kündigte gleichzeitig an, „die Marketingstrategie bei Bayer 04 zu überdenken“. Es gibt offenbar Überlegungen, die Bayer AG wieder stärker zu präsentieren - auch eine Rückkehr auf die zentrale Werbefläche auf der Brust der Bayer-Profis ist nicht undenkbar. Der Bayer-Sportbeauftragte Meinolf Sprink wollte dies auf Anfrage zumindest nicht ausschließen: „Warten wir doch erst mal die Gespräche mit RWE ab.“ Vor der laufenden Saison hatte der bereits mit der „Werkself“-Kampagne den Schulterschluss mit dem Konzern unterstrichen - „eine tolle Verbindung“, wie Völler betonte.
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Kommentar:
Eigentlich alles
VON CHRISTAIN OEYNHAUSEN, 11.01.07, 22:51h
Am Mittwoch war Rudi Völler im Olympiastadion in Rom, um seinem Ex-Klub AS Rom zuzuschauen. Als er sich erhob, um zu gehen, wurde er mit respektvollem Applaus verabschiedet. Am Donnerstag beim Leverkusener Testspiel wurde Rudi Völler auf dem Spielbericht als „Allenatore“, als Coach geführt. Zwei kleine Randbeobachtungen, die deutlich machen, was Rudi Völler für Bayer 04 Leverkusen ist: eigentlich alles.
Die Vertragsverlängerung mit dem Weltmeister von 1990 ist für den Klub ein großes Glück, denn als Kühlerfigur des Vereins wäre Völler kaum zu ersetzen gewesen. Das dachte man früher in Leverkusen auch über Reiner Calmund, den Manager, der den Klub so groß gemacht hat, bis sogar ein Weltmann wie Völler dorthin wollte. Die Lücke, die Calmund hinterlassen hat, hat Völler geschlossen, natürlich auf eine ganz andere Art. Es war bemerkenswert, dass Völler gestern ganz Calmund-ähnliche Worte benutzte: „Ich bin Bayer, ich bin gern Bayer. Der Verein, das bin ich auch ein bisschen.“
Völlers Wert für Bayer 04 kann nicht in Arbeitsstunden gemessen werden und auch nicht in der Zahl der auswendig gelernten Transferstatuten. Völlers Job ist Rudi-Völler-Sein, den Rest müssen andere erledigen. Aber nur solche, die er gern um sich hat - der Trainer Michael Skibbe, der ihm schon als DFB-Teamchef ein loyaler Fleißarbeiter war, und den Manager Michael Reschke, der ihm den täglichen Kleinkram und das Gezänk vom Hals hält, so gut es geht. Dass diese Konstellation eine Erfolgsgarantie ist, wäre noch zu beweisen. Aber der Glanz der Figur Völler kann vieles überstrahlen.
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