VON UDO BONNEKOH
(RP) Bayer trat spielfreudig auf. Stefan Kießling wirkte trotz vieler Fehler befreit. Pirmin Schwegler empfahl sich. Die zweite Garde im Tor gut. Für den Ernstfall Aachen aber heißt Platz zwei im Düsseldorfer Turnier so gut wie nichts.
Benedikt Fernandez ist vor knapp zwei Wochen 22 geworden und hat im Fußball noch nicht viel erlebt. Auch deshalb nahm der Youngster, in der Leverkusener Torwart-Hierarchie eigentlich als Nr. 3 eingeordnet, gerne das Lob entgegen, das ihm nach Bayers Erfolg gegen Borussia Dortmund vor rund 20 000 Zuschauern beim Düsseldorfer Arena-Cup zuteil wurde. Zwei Bälle gehalten im finalen Elfmeterschießen, davor einmal prächtig pariert gegen den ungebremst anstürmenden Borussen Valdez. Hut ab. „Prima, hoffentlich geht das so positiv weiter für mich“, sagte Fernandez. Er weiß natürlich, dass er – wie auch viele seiner Mitstreiter vom Samstag – den Bundesliga-Start am Sonntag in Aachen von der Ersatzbank aus erleben wird. Der von ihm und Erik Domaschke (beim 1:2 gegen Borussia Mönchengladbach im Finale) vertretene Jörg Butt wird auf dem Tivoli wieder fit sein.
Fernandez freilich durfte für sich reklamieren, stark beteiligt gewesen zu sein an einem flotten Leverkusener Warm-up fürs 17-Etappen-Rennen. Mehr als ein von Spielfreude bestimmtes Anlaufnehmen für den Wiedereinsteig in die Meisterschaft war das ja wirklich nicht trotz einiger positiver Erkenntnisse. Das Form-Barometer zeigte einige für Trainer Michael Skibbe erfreuliche Ausschläge in höhere Grade an. Für Stefan Kießling galt das etwa, obwohl der Franke noch häufig in Zwietracht mit dem Ball lebte, ehe er gegen Dortmund den entscheidenden Strafstoß setzte. Das machte den Angreifer so frei, dass er gegen Gladbach einen feinen Treffer (nach Doppelpass mit Michal Papadopulos) anbrachte und ein zweites mögliches Tor unglücklich verfehlte.
Wer bei den Leverkusenern sonst noch Spaß machte? Pirmin Schwegler vor allem, der auf der „Sechser-Position“ von Carsten Ramelow dank seiner natürlichen Begabung so unangestrengt wirkungsvoll arbeitete. Dass Simon Rolfes wieder auf dem Weg zur Form der vergangenen Rückrunde ist, dafür gab es in Düsseldorf ein paar Indizien. Gonzo Castro, Marko Babic, Bernd Schneider boten mehr oder minder auffällig Routiniertes. Tranquillo Barnetta allerdings kämpft noch heftig um Anschluss an die Stärke früherer Tage. Dass Sergej Barbarez, Andrej Voronin und Paul Freier fehlten, machte Trainer Skibbe keine Sorge: „Im Ernstfall hätten sie gespielt.“
Zur Nachdenklichkeit regte den Fußballlehrer aber das (Fehl-) Verhalten der Abwehr (Juan im Finale) in den beiden Kurz-Partien über jeweils 45 Minuten an. Dortmunder und Gladbacher (Nando zum 2:1) Angreifer kam arg leicht vors Bayer-Tor. „Man darf ja auch nicht so weit aufrücken und auf Abseits spielen , wenn das Mittelfeld kein Pressing praktiziert“, monierte Skibbe – hoffend, dass das in Aachen mit höherer Konzentration anders aussieht.