VON RALPH ELSEN
(RP) Die Leverkusener hielten sich mit Selbstkritik unangebracht zurück nach dem mutlosen Auftritt von Pamplona. Morgen in München fehlen Bayer einige wichtige Kräfte. Völlers Ehrentag ohne Freude.
Manch einer musste sich in dem Moment wie auf dem Traumschiff wähnen. Das Licht im Saal ging plötzlich aus, und ins Dunkel hinein brachten Kellner mit feierlicher Geste eine Torte mit Funken sprühenden Wunderkerzen. Mit dünnen Stimmen intonierten die Gäste beim mitternächtlichen Snack im Mannschaftshotel in Pamplona zaghaft ein Liedchen für Rudi Völler aus Anlass dessen gestrigen 47. Geburtstags. Dem Sportchef der Leverkusener freilich stand überhaupt nicht der Sinn nach freudigen Reaktionen nach dem Aus im Uefa-Cup gegen Osasuna. „Wir haben eben nicht die Qualität in unserem Team, um mal eben hier hin zu fahren und die Spanier auf deren Platz einfach weg zu hauen“, sagte er.
Völler schlüpfte mal wieder in die Rolle des besten Verteidigers bei Bayer, ganz so, als könne er mit seinem Plädoyer für ein mildes öffentliches Urteil werben. „Im Hinspiel haben wir’s vergeigt, nicht diesmal. Aber wer weiß, wie die Sache ausgeht, wenn wir ein bisschen mehr Glück haben und dem Paul Freier kurz vor der Pause die Führung gelingt“, meinte der Jubilar. Dass man sich das Glück gewöhnlich erst verdienen muss, erwähnte er nicht.
Nach dem Ende aller internationalen Ambitionen richtete sich der Blick der (an-)geschlagenen Leverkusener rasch nach vorn auf die entscheidenden Duelle in der Meisterschaft, auf die morgige Partie bei den Bayern und auch schon auf das womöglich wichtigere Treffen danach gegen Hans Meyers tüchtige Nürnberger im Rennen um Rang fünf. „Unser Aufgebot ist nun noch schmaler, wir haben in München kaum noch Alternativen“, klagte Trainer Michael Skibbe, der seine mutlose Formation mit Sergej Barbarez als einziger Angriffsspitze auch mit dem Hinweis verteidigte, auf Schalke in genau derselben Aufstellung in der Offensive gewonnen zu haben. Da indes stand es auch noch 0:0 beim Anpfiff, und die Seinen lagen nicht mit drei Treffern aus dem Hinspiel hinten.
Carsten Ramelow verletzt, bei Juan wird’s wohl auch nicht reichen für einen Einsatz in der Allianz-Arena, Bernd Schneider und Stefan Kießling gesperrt, dazu nach dem Osasuna-Spiel auch noch Tranquillo Barnetta auf der Streichliste wegen einer Schienbeinprellung – Bayer keucht ganz schwer auf der Zielgeraden der Saison, zumal der labilen Truppe nach drei Niederlagen in Serie jegliche Selbstsicherheit über Bord gegangen ist. Leverkusens Profis aber hielten nichts davon, sich nach dem Schattenboxen gegen biedere Hausherren als reuige Sünder zu geben. Ob sie nun Barnetta („Wir haben alles versucht“) oder Barbarez („Alle haben hier einen vernünftigen Job gemacht“) hießen. Traumschiff eben auf Bayers Art