Leverkusen: Chilene "ein bisschen verrückt"
Vidal hat große Ziele: "Ich will um den Titel mitspielen!"
Seit Dienstag weilt er in seiner neuen Heimat, absolvierte die sportärztliche Untersuchung ("Kein Problem!"), schaute sich ein paar Wohnungen an und besuchte Basketball-Rekordmeister Bayer Giants bei dessen Play-Off-Spiel gegen Ludwigsburg: "Leider haben wir verloren!"
Das "wir" kommt Arturo Vidal (20) schon gut über die Lippen. Der chilenische Neuzugang von Bayer Leverkusen wurde am Mittwoch der Öffentlichkeit präsentiert, und wer einen schüchternen Twen erwartet hatte, sah sich rasch eines Besseren belehrt. "Wenn er so spielt, wie er sich heute gegeben hat, dann mache ich mir keine Sorgen", so Trainer Michael Skibbe, der gerne in Kauf nimmt, dass sein teuerster Neuzugang (5,2 Millionen Euro) erst rund drei Wochen nach Beginn der Saisonvorbereitung auftauchen wird. Vidal kann mit einer Nominierung für den Auftritt der chilenischen Nationalmannschaft bei der "Copa America" rechnen, würde persönlich lieber mit der U20 seines Landes zur WM nach Kanada fliegen: "Das ist mein Team, da will ich lieber hin." Egal wohin, zum neuen Team stößt er später. Ein Nachteil? "Kann sein, ich muss dann eben hart arbeiten." Zehn Tage Urlaub wird er nach der Zusatzbelastung bekommen, danach kann er seine Ziele in Angriff nehmen. Sie sind schnell umrissen: "Ich will mir einen Stammplatz erkämpfen und um den Titel mitspielen."
Der Stammplatz ist selbstredend reserviert, Arturo Vidal soll die linke Abwehrseite stärken, Bayers Achillesferse seit den guten Tagen eines Diego Placente. "Ja, links oder im Abwehrzentrum kann ich spielen", sagt Vidal, der Bayer gegenüber starker Konkurrenz (River Plate Buenos Aires, Inter Mailand und Girondins Bordeaux waren am Ende in der Verlosung) den Vorzug gab. Warum gerade Leverkusen? "Sie haben sich um mich gekümmert, speziell Rudi Völler. Das Niveau stimmt hier, ich fühle mich in guten Händen, hier kann ich reifen." Reifen für einen großen europäischen Klub? "Erstmal bin ich hier, ich will hier was gewinnen! An was anderes denke ich nicht."
Dass Bayer sich keinen ganz stromlinienförmigen Jungen geholt hast, davon erzählt die Episode vom Wutanfall seines Trainers bei Colo-Colo. Claudio Borghi regte sich über eine zu extravagante Frisur seines Jüngsten auf: "Fall auf dem Platz auf, nicht daneben." Vidal lenkte ein: "Ich bin ein bisschen verrückt. Aber wenn der Trainer sagt vorbei, dann ist es vorbei!"
Frank Lußem