Eine rührende Adoption

  • Eine rührende Adoption
    VON UDO BONNEKOH


    (RP) Auch wenn Hans Sarpei aus Köln kommt, wird der Ghanaer vom Leverkusener Publikum mittlerweile herzlich angenommen. Eine größere Auszeichnung gibt es nicht. Gegen Rostock galt ihm starker Applaus.


    Natürlich hat er selbst im Lärm die ihm geltenden Rufe wahrgenommen. Das ist ja auch eine relativ neue Erfahrung gewesen. „So etwas kriegt man auf dem Platz mit“, sagt er. Das „Ha-Hans Saarpeiii“, das aus tausend Kehlen ziemlich laut und harmonisch vorgetragen von der Nord-Tribüne klang beim Leverkusener 3:0 gegen Rostock, hat dem Ghanaer, der aus seinen Zeiten bei Fortuna Köln nur als der „kölsche Hans“ bekannt ist, gut getan. Den vielstimmigen Chor des Publikums darf der 31-Jährige ruhig als hohe Auszeichnung verstehen, gleichsam als sportliche Adoption eines Kölners durch die Leverkusener Fans, was eine Rarität ist in der BayArena bei der sonst notorischen Abneigung gegen alles von der anderen Rheinseite. Andererseits könnte Ähnliches bald mit Lukas Sinkiewicz passieren, dem aufrechten Kämpfer, der sich gegen Rostock im Mittelfeld auch technisch ziemlich beschlagen präsentiert hat.


    „Ich glaube, die Zuschauer honorieren meine Leistung, sie sehen, dass ich kämpfe und alles für die Mannschaft mache“, sagt Hans Sarpei, dem solche Huldigungen aus seinem Vorleben in Wolfsburg unbekannt sind. Und im Grunde ist der Afrikaner ja nur als vergleichsweise billiger Ergänzungsspieler aus Niedersachsen zurück ins Rheinland gekommen, zumal man ihn beim VfL nicht mehr haben wollte. Laufendes Druckmittel sollte Sarpei sein für leicht lethargische Kollegen. Und jetzt hat er schon 14 der 17 bis Weihnachten möglichen Bundesliga-Spiele hinter sich. Mal hinten rechts, mal hinten links, auch mal anderswo im Mittelfeld. „Ich brauche nicht lange, um mich auf einer Position warm zu spielen“, sagt er, was auf taktische Intelligenz schließen lässt und enorme Anpassungsfähigkeit. Solche Arbeitnehmer sind Chef Michael Skibbe wirklich willkommen.


    Simon Rolfes ist nach dem leicht bekömmlichen Spiel gegen die Rostocker noch mal nach den Ursachen für die atemberaubende Hausse der Bayer-Bundesliga-Aktien gefragt worden. Und er hat dabei auch an die gedacht. die ein bisschen hintendran zu sein scheinen. „Der Konkurrenzkampf ist belebend“, betont Rolfes, „und die Leute von der Bank machen Druck. Es war ja auch die Absicht der sportlichen Leitung, den Kader breiter aufzustellen.“ Dass er den Trainer noch lobend erwähnt hat („Er weiß vor allem die jungen Spieler sehr gut anzusprechen“), versteht sich.


    Dass die Zwanziger-Generation (Gonzalo Castro, Tranquillo Barnetta, Sinkiewicz) sich am Sonntag hat so austoben dürfen nach Herzenslust, hatte gewiss auch was zu tun mit einem selten günstigen Einstieg in die Partie durchs frühe Tor von Rolfes und fortan zagenden, zaudernden Hanseaten. Und weil Barbarez oder Schneider oder Kießling als die Publikumslieblinge in jüngster Zeit diesmal fehlten, hat Hans Sarpei besonders viel abbekommen vom Applaus an einem netten Abend. Und Sachverstand der Kundschaft hat sich auf diese Art auch erkennen lassen.


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    Man sollte sich die Ruhe und Nervenstärke eines Stuhles zulegen. Der muss auch mit jedem Arsch klar kommen!