Zürich - Für Rudi Völler ist er schlichtweg der "Mini-Ballack", für Michael Skibbe der "Shootingstar der Saison": Die Rede ist von Simon Rolfes, der bei Fußball-Bundesligist Bayer Leverkusen eine ausgesprochen hohe Wertschätzung genießt. Der Nationalspieler ist die ordnende Hand im Mittelfeld, sucht auch selbst den Torabschluss und ist inzwischen zur Führungspersönlichkeit gereift.
Wie wichtig Rolfes für den Werksklub ist, lässt sich auch an den nackten Zahlen ablesen. Seit dem 10. September 2005 hat der 25-Jährige kein Spiel mehr für die Rheinländer verpasst - egal ob Liga, Europacup oder DFB-Pokal. Im UEFA-Cup-Auswärtsspiel beim FC Zürich am Mittwochabend sollte er zum 104. Mal in Folge das Bayer-Trikot tragen.
Sehr effizient verrichtet Rolfes Woche für Woche seine Dienste als Abräumer im Mittelfeld. "Er hat eine unglaubliche Präsenz auf dem Platz, dazu schießt er auch Tore", lobt Völler den gebürtigen Münsterländer. So war die Vertragsverlängerung bis 2010 im Oktober dieses Jahres reine Formsache.
Dass ihm selten die Schlagzeilen in den Medien gehören, damit kann Rolfes leben. "Mein Wort hat hier aber trotzdem Gewicht", sagt er selbstbewusst und verweist auf seinen Platz im Mannschaftsrat. In der Hierarchie steht er mit Nationalspieler Bernd Schneider und Kapitän Carsten Ramelow, den er sportlich schon in den Schatten gestellt hat, ganz oben.
So war das erste Länderspiel im März dieses Jahres nur die logische Folge. "Das hat mich weitergebracht", sagt Rolfes, auch wenn die Begegnung gegen Dänemark (0:1) verloren ging. Inzwischen hat der Bücherfan sieben Partien unter Bundestrainer Joachim Löw bestritten und ist ein heißer Kandidat auf die EM-Teilnahme in Österreich und der Schweiz.
Dass er eine derart positive Entwicklung nehmen würde, hätte vor einigen Jahren niemand gedacht. Bei Werder stand er über drei Jahre unter Vertrag, absolvierte aber kein einziges Bundesliga-Spiel. Erst über den Umweg 2. Bundesliga (SSV Reutlingen, Alemannia Aachen) kam er nach Leverkusen und fand sein Glück.
Dem hatte der Sohn eines Lehrer-Ehepaars, der natürlich Abitur gemacht hat, auch selbst nachgeholfen. Da er bei seiner Größe von 1, 89 m nicht robust genug war, suchte Rolfes in Bremen die Zusammenarbeit mit Leichtathletik-Trainer Lars Figura. In Leverkusen setzte er dies mit Jens Dautzenberg fort. Besonders Beweglichkeit und Koordination stehen seitdem auf dem Programm.
Den Sprung ins Profigeschäft hat Rolfes übrigens seinem Bruder Tobias, der ihn in der B-Jugend beim TuS Recke trainierte, zu verdanken. Dieser fragte bei den Bundesligaklubs Hannover 96 und Werder Bremen nach einem Probetraining für Simon nach. Hannover lehnte ab, der damalige Werder-A-Jugend-Coach Frank Neubarth griff zu und so war der Weg geebnet.(sid)
Quelle:leverkusener-anzeiger