VON UDO BONNEKOH
(RP) Die Leverkusener beim 1:3 in Köln in der Abwehr konfus und in der Offensive selten zielstrebig. Doch Sportdirektor Rudi Völler grämt die Niederlage nicht so sehr, denn „sie ist übermorgen vergessen“.
Da hat Arturo Vidal gleich ziemlich irritiert aus der Wäsche geschaut, als er auf dem Hosenboden saß, von den Beinen geholt von einem Widersacher ein paar Sekunden nach dem Anpfiff. Der Chilene kennt sich eben noch nicht aus mit dem rheinischen Brauchtum im Fußball, er weiß nichts von der ausgeprägten Rivalität zwischen Köln und Leverkusen. Doch das anfängliche Reizklima wandelte sich bald in eine Schönwetter-Lage – für die Rot-Weißen vor allem, die es nach ihrem Ausgleich durch Mohamad gar nicht nötig hatten, dem nicht besonders zielstrebig arbeitenden Bundesligisten mit außergewöhnlicher Härte zu begegnen.
„Wir haben es spielerisch mal wieder übertrieben und uns nach dem guten Beginn an uns selbst berauscht, anstatt nachzulegen“, bemängelte Rudi Völler nach Bayers 1:3 im abschließenden Test in Köln. Das grämte den Sportdirektor („Gerade dieses Spiel haben wir nicht gern verloren“) aber dennoch nicht über Gebühr, weil „die Niederlage übermorgen wieder vergessen ist“. Unfall mit Blechschaden also bei Vollkasko-Versicherung, Insassen alle unversehrt.
Noch mehr Kranke oder Verletzte würden Trainer Michael Skibbe nun wirklich in ärgste Verlegenheit bringen, zumal selbst die Rekonvaleszenten Vidal und Bernd Schneider weiterhin ihre liebe Mühe damit haben, auf annehmbares Niveau zu gelangen. „Sie brauchen Spielpraxis, das sieht man deutlich. Ihnen fehlt noch die Sicherheit“, meint Völler. Und Skibbe stellte als erfreulichste Erkenntnis aus dem Gesehenen heraus, dass „Manuel Friedrich 70, 75 Minuten durchgehalten hat“.
Der vor Weihnachten am Meniskus operierte Verteidiger freilich hat auch nicht verhindern können, dass die Kölner vergleichsweise leicht zu ihren vom Publikum begeistert aufgenommenen Treffern kamen – zum 1:1 nach einem Freistoß mit einem lang geschlagenen Ball auf Mohamad, zum 2:1 durch den ungedeckten Helmes nach Ehrets nicht unterbundener Flanke, zum 3:1 durch Gambino nach einem Konter. Zumindest bei den Kölner Toren zwei und drei wirkte Jan-Ingwer Callsen-Bracker nicht aufgeräumt.
Mit der Leverkusener Offensive ließ sich über das nett herausgespielte 1:0 von Stefan Kießling hinaus auch kein Staat machen. Da gab es noch eine Chance von Kießling in Kooperation mit Sergej Barbarez, einen strammen Schuss von Vratislav Gresko und einen knapp verfehlten Kopfball von Tranquillo Barnetta. Der Rest war Blendwerk, nichts Ernsthaftes. „Wir haben vorne den Ball ins Tor zu tragen versucht“, stellte Manuel Friedrich als Beobachter aus der hinteren Reihe fest. Was er nicht sagte: Auf dem Terrain vor Schlussmann René Adler herrschte zuweilen erschreckende Konfusion.