VON FRANK NÄGELE UND CHRISTIAN OEYNHAUSEN, 28.02.08, 23:28h
Leverkusen / Bochum - Für einen Torjäger, der vor Ungeduld platzen müsste, weil er nicht spielt, gibt sich Theofanis Gekas erstaunlich entspannt. Er wird im Sommer erstmals Vater, vielleicht ist es das. Er wirkt nicht mehr so grimmig wie am Anfang seiner Leverkusener Zeit. Sportlich ist seine Lage aber schlechter geworden. Am Sonntag tritt der Grieche mit Bayer 04 Leverkusen bei seinem Ex-Klub VfL Bochum an. Aber er wird auf der Bank sitzen, vielleicht sogar 90 Minuten lang. Letzte Woche gegen Schalke war es eine Stunde. „Aus Leistungsgründen gibt es keinen Anlass, etwas zu ändern“, sagt Trainer Michael Skibbe. Kein Platz also für Gekas (27), Gewinner der Torjägerkanone der Bundesliga 2007 mit 20 Toren. „Ich weiß, was ich kann“, sagt der Grieche nur. Aber die Zeit läuft, die Europameisterschaft naht: „Es ist unvorteilhaft, wenn man im Klub nicht spielt. Aber Otto Rehhagel weiß, was er an mir hat.“
Über letzteres rätseln sie in Leverkusens noch. Acht Tore hat Gekas in der Hinrunde für Bayer 04 erzielt, mehr als alle anderen im Klub. Aber er spielt nicht mehr. „Es ist für ihn nicht glücklich gelaufen“, sagt Sportchef Rudi Völler.
Mehr Konkurrenz
Mag Leverkusen auch auf einer Wolke der Harmonie schweben wie ein Luftballon durchs Kinderzimmer, so ist das Gekas-Thema eine Reißzwecke, die im Teppich lauert. Das Schicksal ehemaliger Bochumer Torjäger ist schließlich eine beeindruckende Bilanz des Scheiterns: Thomas Christiansen, Vahid Hashemian, Peter Madsen - alle gingen bei anderen Klubs unter. „Ich habe mir schon gedacht, dass es schwerer für Gekas wird, sich in Leverkusen durchzusetzen“, sagte sein Bochumer Ex-Coach Marcel Koller. Die Idee mit dem „idealen Konterstürmer“ (Bochums Manager Stefan Kuntz) in der um spielerische Dominanz bemühten Leverkusener Mannschaft sei kein Missverständnis, findet Völler: „Wir wussten, er ist nun mal einer, der wenig am Spielgeschehen teilnimmt. Es gibt bei uns mehr Konkurrenz als in Bochum.“ Trainer Skibbe zieht momentan den weniger gefährlichen, aber fleißigeren Arbeiter Stefan Kießling vor. An einen Verkauf von Gekas denkt niemand: „Es wird weiterlaufen“, sagt Skibbe.
Die Frage, ob der Transfer richtig war, wird immer wieder von der Frage nach der Integration überlagert. Zugespitzt: Muss man gut Deutsch können, um im Sturmzentrum - mal abseits und mal nicht - auf Pässe zu warten oder Abpraller über die Linie zu stupsen? Oder reicht das, was Gekas übersetzen lässt: „Ich fühle mich wohl. Es gibt nichts auszusetzen. Ich bin hier, um in erster Linie fußballerisch Erfolg zu haben und nicht als Deutschlehrer.“ Gekas kann stur sein, beim Spiel in Wolfsburg verweigerte er beleidigt das Aufwärmen, weil er auf die Bank musste. „Er soll sich mit der Mannschaft verständigen können“, fordert Skibbe, der den von Gekas gern geschwänzten Unterricht intensiviert hat. „Ich verstehe die Kommandos im Training und komme in der Kabine zurecht“, verteidigt sich Gekas per Dolmetscher. „Man muss auch mal "nen Witz in der Kabine verstehen. Das ist wichtig für das Wohlbefinden“, so definiert Völler die Sprachkompetenz. Fortschritte auf dem Weg ins Reich des Kabinenwitzes sind festzustellen: „Der Unterricht fruchtet jetzt, spätestens zur nächsten Saison wird er sich gut verständigen können“, findet Skibbe.
Auch Bochums Trainer Koller störte die Sprachbarriere: „Wir wollten auch, dass er Deutsch spricht, aber am Ende brauchte ich nur seine Tore. Bei Bayer kann jeder Tore schießen. Sie sind derzeit auf die Tore von Gekas gar nicht so angewiesen“, sagt der Schweizer, der den Griechen im Sommer für 2,3 Millionen Euro gehen lassen musste. VfL-Manager Stefan Kuntz, der mit dem Slowaken Stanislav Sestak einen ausgezeichneten Nachfolger aufgetrieben hat, weiß Trost für den Vorgänger: „Mag sein, dass er den Wechsel manchmal bereut. Aber das ändert sich sofort, wenn er auf seinen Gehaltszettel guckt.“