Anständig und gelassen verloren

  • VON CHRISTOPH PLUSCHKE, 30.03.08, 21:29h


    Leverkusen - Das muss man den Leverkusenern lassen: Wenn sie verlieren, tun sie's zumeist mit Anstand. Am Samstag zum Beispiel, nach dem 0:2 gegen Eintracht Frankfurt, hätte es nicht überrascht, wären Klagelieder angestimmt worden über diese oder jene Schiedsrichter-Entscheidung. Mindestens ein Elfmeter, je nach Sicht der Dinge auch zwei oder sogar drei Strafstöße waren ihnen verweigert worden - ein Trainer vom Schlage eines Huub Stevens oder auch der in solchen Situationen gerne nachtragende Frankfurter Kollege Friedhelm Funkel hätten an Michael Skibbes Stelle vermutlich mit grimmigen Statements und heftiger Unparteiischen-Schelte aufgewartet. Der Bayer-Coach aber widerstand der Versuchung, auf diese Weise vom Versagen seiner Spieler und auch eigenen Versäumnissen - etwa erfolglosen personellen Dispositionen - abzulenken. Stattdessen erkannte er sachlich den Verdienst des Eintracht-Sieges an und fasste zusammen: „Allmählich wird's eng im Kampf um die Europacup-Plätze.“


    Duplizität der Ereignisse: Schon in der Hinrunde verlor die Werkself zunächst gegen die Münchner Bayern und anschließend gegen Frankfurt. Statt von den Punktverlusten der Hamburger, Schalker und Bremer zu profitieren, konnte Bayer von Glück reden, dass sich der Abstand zu den direkten Konkurrenten nur unwesentlich oder gar nicht vergrößerte. Allerdings hat sich der Mitbewerber noch um die Frankfurter und neuerdings sogar um den VfL Wolfsburg erweitert.


    Von einer Krise oder dem Heraufziehen einer solchen will natürlich niemand in Leverkusen reden, zumal bereits am Donnerstag (18.30 Uhr) das Viertelfinal-Hinspiel im Uefa-Pokal gegen Zenit St. Petersburg und damit eine Richtung weisende Partie ansteht.


    Ermatteter Dauerläufer


    „Wir dürfen jetzt nicht den Kopf in den Stand stecken, zumal wir weiter gut im Rennen liegen“, forderte Dauerläufer Simon Rolfes, der nun mit 91 Ligaspielen hintereinander seit September 2005 zu Buche steht, was sich aktuell allerdings auch in einer gewissen Mattigkeit niederzuschlagen scheint. Der Teamgefährte Tranquillo Barnetta bemühte sich ebenfalls um größtmögliche Gelassenheit. „Okay, es hat jetzt zwei Mal nicht geklappt“, so der Schweizer, „aber deswegen dürfen wir nicht auf einmal unsere gesamte Spielweise in Frage stellen.“


    Müssen sie auch nicht, zumal sie ja am Samstag in dieser Hinsicht keineswegs dilettierten. Obendrein resultierte der erste Gegentreffer (24.) aus einer unglücklichen Aktion, wie sie nun mal immer wieder und wirklich jedem passieren kann: Nach einem Weissenberger-Freistoß war der Ball in den Strafraum gesegelt, wo ihn der von der Marco Russ bedrängte Stefan Kießling per Kopf am eigenen Keeper René Adler vorbei ins Tor beförderte.


    Fortan lief Bayer diesem Rückstand hinterher, hatte auch einige Male Pech (so wie bei Bulykins Lattentreffer / 32.), tat sich gegen die defensiv extrem kompakt auftretenden und nahezu perfekt verteidigenden Gäste aber mit zunehmender Spielzeit immer schwerer. Fifa-Schiedsrichter Herbert Fandel, der bereits in der 21. Minute ein Handspiel des Frankfurters Patrick Ochs zwar bemerkt, aber nicht mit einem Elfmeter geahndet hatte („Eine solche Aktion muss unauslegbar sein“), verwehrte den Leverkusenern überdies in zwei weiteren Fällen mögliche Elfmeter (53., 63.). Skibbe jedoch wollte dies nicht großartig thematisieren, sondern kritisierte den Mangel an Klarheit, Tempo und Präzision der Leverkusener Offensivaktionen: „Wir haben den Strafraum des Gegners belagert, aber nicht die Mittel gefunden, um auch durch zu kommen.“ Das 0:2 durch den eingewechselten Mantzios hatte quasi nur noch statistischen Wert.


    http://www.ksta.de/bayer04

    Man sollte sich die Ruhe und Nervenstärke eines Stuhles zulegen. Der muss auch mit jedem Arsch klar kommen!