VON FRANK NÄGELE, 02.04.08, 21:23h, AKTUALISIERT 02.04.08, 21:24h
Leverkusen - Eine der schwierigen Disziplinen der Küchenpsychologie ist es, am Auftreten und den Aussagen des Trainers Michael Skibbe etwas über dessen inneres Befinden abzulesen. Der Fußball-Lehrer aus Leverkusen hat den auf strenge Sachlichkeit reduzierten Vortrag schon in seiner Zeit als Assistent von Rudi Völler bei der Nationalmannschaft zur Perfektion gebracht. Aber am Tag vor dem Hinspiel im Viertelfinale des Uefa-Pokals gegen Zenit St. Petersburg (Donnerstag, 18.30 Uhr / Premiere) schafft es der Mann, an dem alles abzugleiten scheint, ein wenig genervt zu wirken. Zwei Niederlagen haben das Spaß-Image der Werkself ein wenig ruiniert. Eine dritte würde für richtig schlechte Laune sorgen. „Es wäre erfreulich, wenn wir dieses Spiel gewinnen könnten“, sagt Skibbe deshalb, „ein Sieg ohne Gegentor wäre besonders hilfreich, vielleicht kann man am Ende sogar mit einem 0:0 zufrieden sein. Im Grunde kennt ja jeder die Arithmetik und weiß, was in einem solchen Spiel ein gutes Ergebnis ist.“ Weniger weiß die Allgemeinheit über den kommenden Gegner Zenit St. Petersburg. Die vom Energieriesen Gazprom gesponserte Mannschaft ist amtierender russischer Meister und als solcher für die Champions League der kommenden Saison qualifiziert. Michael Skibbe ist beeindruckt vom Team des holländischen Trainers Dick Advocaat, das im laufenden Uefa-Pokal Klassemannschaften wie den FC Villarreal und Olympique Marseille ausgeschaltet hat. Den 2:0-Auswärtssieg des Gegners bei FK Moskau hat er selbst beobachtet. „Sie sind sehr spielstark, sehr ballsicher und können schnell von Defensive auf Offensive umschalten“, sagt der Bayer-Trainer, den besonders die Mittelfeldspieler Andrej Arschawin („sehr spielstark, sehr quirlig“) und Anatoli Timoschuk („lenkt sein Team aus dem defensiven Mittelfeld“) beeindruckt haben.
Welche Konsequenzen das 0:2 gegen Eintracht Frankfurt für die eigene Aufstellung hat, will Skibbe nicht verraten. Besonders interessant ist natürlich die Personalie Bernd Schneider. Der 81-malige Nationalspieler hat zuletzt schwere Wochen als Reservist durchgemacht. „Im Training sind seine Leistungen gut“, erklärt Skibbe, „aber wirkliche Fortschritte sieht man nur im Spiel.“ Das klingt, als könne man daraus die Nominierung des Nationalspielers ablesen, doch Skibbe widerspricht: „Daraus können Sie gar nichts ablesen.“ Es wäre dennoch sehr überraschend, wenn das zweifelnde Ballgenie den Spielbeginn auf der Bank erleben würde. Auch die Rückkehr des griechischen Torjägers Theofanis Gekas ist wahrscheinlich.
Deutlichere Aussagen kann der Bayer-Trainer zur Wertigkeit von Uefa-Pokal und Bundesliga am Ende einer anstrengenden Saison treffen. „Die beiden Wettbewerbe werden für mich immer gleich wichtig sein“, sagt Skibbe, „man tut ja nicht alles in der Bundesliga, damit man sich für das internationale Geschäft qualifiziert und sagt dann im Viertelfinale eines internationalen Wettbewerbs, jetzt nehmen wir ihn nicht so wichtig, damit wir uns in der Bundesliga nächste Saison wieder für den internationalen Wettbewerb qualifizieren können. Das wäre doch völlig verrückt.“ Richtig. Und je öfter man darüber nachdenkt, desto verrückter wird es.
Die Frage, ob sein Team durch die Niederlagen in München und gegen Frankfurt geschwächt sei, stellt sich für den Trainer nicht: „Nein, dafür haben wir zu viele Qualitäten.“ Sportchef Rudi Völler sieht das genauso: „Die Mannschaft ist willig und immer in der Lage, ein Tor zu erzielen. Aber St. Petersburg wird alles in die Waagschale werfen. Das wird ein Fifty-Fifty-Spiel.“
Bayer 04 Leverkusen: Adler - Castro, Friedrich, Haggui, Sarpei - Rolfes, Barnetta - Schneider, Barbarez, Kießling - Gekas.
Zenit St. Petersburg: Malafejew - Anjukow, Schirokow, Krizanac, Sirl - Tomoschtschuk - Arschawin, Zyrianow, Denisow, Fajzulin - Pogrebnjak.
Schiedsrichter: Benquerenca (Portugal).