Leverkusens Leerlauf auf dem Zahnfleisch

  • VON CHRISTIAN OEYNHAUSEN, 28.04.08, 20:26h


    Leverkusen - Es ist ein schlechter Zeitpunkt für eine Krise, aber man kann sich den Zeitpunkt für ein Formtief ja nicht aussuchen. Immerhin hat Bayer 04 Leverkusen ja noch Glück: Ein Eigentor des Wolfsburgers Josué bescherte Michael Skibbes Mannschaft am Sonntag einen glücklichen Punktgewinn. Damit wuchs das Konto auf überschaubare vier von 18 möglichen Zählern aus den letzten sechs Spielen. Das ist keine Bilanz, die nach Durchmarsch in den internationalen Wettbewerb aussieht. Aber trotzdem ist Leverkusen noch Vierter und hat nur ein mittelschweres Restprogramm. Und der erste Verfolger HSV stolpert auch nur noch vor sich hin. „Sorgen macht mir gar nichts“, sagte Bayer- 04-Trainer Michael Skibbe nach dem 2:2 (1:2) gegen Wolfsburg.


    Mit dem Spiel bei Bayern München (1:2) begann der Abschwung, unterbrochen nur vom Sieg gegen Stuttgart. „Der Lauf ist ein bisschen weg“, sagt der Coach, der das Wort Krise sorgfältig mied. Die jungen Spieler sind müde. „Wir gehen ein bisschen auf dem Zahnfleisch“, sagte Gonzalo Castro, der kopfschüttelnd seinen Fehlpässen hinterher sah. Leverkusen wird sich ein bisschen durchmogeln müssen bis zum Ziel. Immerhin wird Tranquillo Barnetta, gegen Wolfsburg schmerzlich vermisst, wohl wieder zurückkehren.


    Mit Bernd Schneiders Comeback im Lauf der Saison rechnet allenfalls noch Bundestrainer Joachim Löw. Für die letzten Bundesligaspiele wird es nach der Bandscheiben-Operation wohl nicht mehr reichen. Die Verletzung des 34-Jährigen stellt Skibbe vor Rätsel. „Ich kenne ihn zehn Jahre, er hat nie über Rückenprobleme geklagt.“ Beinahe wäre die Sache sogar gefährlich geworden. Nach den freien Tagen im Anschluss an das Spiel in Bielefeld (0:1) hatte Schneider über Beschwerden geklagt, die in die Beine abstrahlten. Am Tag danach fühlte er sich etwas besser. Da stand der Behandlungstermin bei Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt aber schon fest. Schneider wollte absagen. Doch Leverkusens Physiotherapeut Dieter Trzolek riet ihm zur Untersuchung, die zur sofortigen Operation in Hannover führte. Womöglich hätte Schneider sonst mit einem Bandscheiben-Problem im Halswirbel auf dem Platz gestanden.


    Beinahe hätte es auch ohne ihn und Barnetta trotzdem gereicht. Leverkusen fühlte sich benachteiligt von Schiedsrichter Manuel Gräfe. Der Berliner pfiff bei zwei Handspielen von Christian Gentner im VfL-Strafraum nicht. VfL-Coach Felix Magath fordert eine Regeländerung: „Den Schiedsrichtern wird bei diesem Thema zu viel aufgebürdet. Er soll in Bruchteilen von Sekunden entscheiden, ob es Absicht war oder nicht. Uns wäre nur geholfen, wenn alles gepfiffen wird, wenn der Ball an die Hand springt.“


    Das Handspiel-Thema verdeckte eine andere Regel-Frage: Wolfsburgs Bester, der Brasilianer Grafite, war nach dem 25. Spieltag wegen einer Roten Karte für fünf Spiele gesperrt worden, konnte aber am 30. Spieltag gegen Leverkusen zwei Tore vorbereiten. Diese Kuriosität entsteht dadurch, dass Wolfsburg in der Zwischenzeit wegen des Regenabbruchs zweimal in Nürnberg spielen musste. Das Tor aus Spiel eins und die absolvierte Spielzeit wurden annulliert, aber Grafite wurden zwei Spiele auf die Sperre angerechnet.


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    Man sollte sich die Ruhe und Nervenstärke eines Stuhles zulegen. Der muss auch mit jedem Arsch klar kommen!